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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

Das »Ostloch« soll weichen

von Ulrike Scheffer vom 09.08.2020
In Berlin tobt ein erbitterter Streit um den Umbau der Hedwigskathedrale. Das Bistum möchte den Innenraum des Gotteshauses neu gestalten. Dagegen laufen vor allem Katholiken aus dem Ostteil der Stadt Sturm.
Festgottesdienst in der Kathedrale: Die alte Architektur des Innenraums sorgte dafür, dass sich die Blicke auf den Abstieg zur Krypta richteten (Foto: kna / Klaus-Dietmar Gabbert)
Festgottesdienst in der Kathedrale: Die alte Architektur des Innenraums sorgte dafür, dass sich die Blicke auf den Abstieg zur Krypta richteten (Foto: kna / Klaus-Dietmar Gabbert)

Als Hans Joachim Meyer den Gerichtssaal verlässt, wirkt er tief betrübt. Der frühere Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken, inzwischen 83 Jahre alt, kämpft heute gegen die Kirche, jedenfalls gegen das Erzbistum Berlin. Das schickt sich an, die Hedwigskathedrale auf dem Berliner Bebelplatz im Innern neu zu gestalten. Aus Sicht Meyers und des Vereins der Freunde der Hedwigskathedrale, deren Vorsitzender er ist, würde dadurch ein einzigartiges Baudenkmal zerstört. Der Verein und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz unterstützten daher eine Urheberrechtsklage gegen das Bistum von Nachfahren der nach dem Zweiten Weltkrieg am Wiederaufbau der Kirche beteiligten Architekten und Künstler. Das Berliner Landgericht wies die Klage im Juli ab. »Das Thema ist für uns damit nicht beendet«, kommentierte Meyer das Urteil. Doch der Umbau von St. Hedwig wird sich kaum verhindern lassen.

Der Streit um die Pläne des Bistums wird seit Jahren erbittert geführt. Dabei geht es längst nicht nur um Fragen des Denkmalschutzes und um Urheberrechte. Die Auseinandersetzungen sind auch Symbol für die Enttäuschung vieler Ostkatholiken über die westlich dominierten Kirchenstrukturen der Nachwendezeit. Und sie verdeutlichen einmal mehr das Desinteresse der Berliner Politik an der Geschichte des Ostteils der Stadt.

Woelkis Hypothek

Dass die im früheren Ostberlin gelegene Kathedrale, ein Rundbau mit großer Kuppel und Kupferdach, sanierungsbedürftig ist, ist unstrittig. Durch die Kuppel drang seit Jahren Feuchtigkeit ein. 2013 schrieb der damalige Erz

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Johannes Gumpp
12.08.202005:09
Form, auch Architektur ist hochverdichtete Information. Darin enthalten: richtige Information, falsche Information. Bewusst reflektierte Information, unbewusste Information. Ein Architekturwettbewerb kann das nicht immer leisten — auch wenn das Ergebnis gut ist: der Architekt kann nicht alles wissen. Und auch die Informationen die er hat, muss er werten, gewichten, bestimmte Aspekte herausarbeiten, priorisieren. Nur so entsteht Form — hier unterscheidet sie sich von einem Text. Bei einem Text, angenommen ein Word-Dokument, können Sie jederzeit und gleichwertig weitere Kapitel hinzufügen, weitere Informationen integrieren, die vielleicht noch fehlten. Auch Architektur sollte in der Lage sein, dies zu tun. Sich noch verändern können, den einen oder anderen Schritt weitergehen.