Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2016
Europäische Union: Auf der Suche nach dem neuen Wir
Der Inhalt:
Artikel vorlesen lassen

Christsein ohne Jenseitsglaube

von Andreas Benk vom 07.07.2016
Das eigentliche Thema der Bibel ist nicht der Tod und der Glaube an ein Jenseits, sondern die Verwirklichung von Gerechtigkeit auf Erden, meint der Theologe Andreas Benk. Ein provozierender Zwischenruf
Ist der Kern des Christentums der Glaube an eine Erlösung im Himmel? Der Theologe Andreas Benk widerspricht und meint, dass die Jenseitserwartung den Blick auf das Wesentliche sogar verstellen kann, Jesus sei es vielmehr um diese Welt und eine radikale Umkehrung ungerechter Verhältnisse gegangen (Foto: klagyivik/Fotolia)
Ist der Kern des Christentums der Glaube an eine Erlösung im Himmel? Der Theologe Andreas Benk widerspricht und meint, dass die Jenseitserwartung den Blick auf das Wesentliche sogar verstellen kann, Jesus sei es vielmehr um diese Welt und eine radikale Umkehrung ungerechter Verhältnisse gegangen (Foto: klagyivik/Fotolia)

Der britische Philosoph Alain de Botton ist der Meinung, das Christentum besitze »die praktische Vernunft, alle Erwartungen und Hoffnungen auf das nächste Leben zu richten«. Entsprechend halten es viele Menschen für eine zentrale christliche Glaubensaussage, dass »mit dem Tod nicht alles aus« sei, sondern Hoffnung auf ein Weiterleben in einem Jenseits bestehe. Das Jenseits wird dabei als etwas verstanden, was zeitlich und räumlich abgetrennt ist von dem, was wir hier auf Erden erleben. Der Tod erscheint so nur noch als Schwelle zum Durchgang in eine andere Welt. Weil christlicher Glaube so verstanden wird, ist christliche Seelsorge in unserer Gesellschaft am ehesten noch bei individuellen und kollektiven Grenzerfahrungen gefragt, etwa bei Todesfällen und Katastrophen.

Gegen diesen Mainstream wendet sich der katholische Theologe Gotthold Hasenhüttl, wenn er feststellt, dass die Jenseitshoffnung zutiefst verderblich für Mensch und Gesellschaft wirke. Der protestantische Pfarrer Klaas Hendrikse erklärt sogar unumwunden, man könne »durchaus den Tod als definitive Grenze des Lebens akzeptieren und zugleich an Gott glauben«. Aus biblischer Sicht müsse das Leben nicht sinnlos sein, wenn – oder gerade weil – es mit dem Tod endgültig ende.

Das scheint herkömmlichen christlichen Vorstellungen völlig zuwiderzulaufen. Aber schon Dietrich Bonhoeffer wandte sich in seinen Briefen aus dem Gefängnis vehement gegen die Deutung des christlichen Glaubens als Jenseits- oder Erlösungsreligion. Dabei registrierte auch Bonhoeffer zunächst die gängige Überzeugung, dass im Christentum die Auferstehungshoffnung verkündet werde und damit eine echte Erlösungsreligion entstanden sei. Das Schwergewicht, so Bonhoeffer weiter, fal

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen