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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2015
Kann Religion Frieden?
Was die Macht des Terrors bricht
Der Inhalt:

Bedford-Strohm: »Weniger Profitdenken«

von Gerhard Endres, Wolfgang Kessler vom 15.03.2015
Heinrich Bedford-Strohm, der neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, spricht im Interview über den Kapitalismus, die Transformation zu einer klimafreundlichen Wirtschaft, über die Reaktionen auf Pegida und sozial gerechte Löhne in Kirche und Diakonie. Dabei wünscht er sich manchmal durchaus, dass sich die Kirchen zu sozialethischen Fragen profilierter äußern
Unsere Weltwirtschaft lässt es zu, dass jeden Tag 25 000 Menschen an Hunger sterben, das ist ein »großer moralischer Skandal«, sagt der EKD-Ratsvorsitzende und Sozialethiker Heinrich Bedford-Strohm. Er unterstützt die Forderung nach einer großen Transformation (Foto: pa/Karmann)
Unsere Weltwirtschaft lässt es zu, dass jeden Tag 25 000 Menschen an Hunger sterben, das ist ein »großer moralischer Skandal«, sagt der EKD-Ratsvorsitzende und Sozialethiker Heinrich Bedford-Strohm. Er unterstützt die Forderung nach einer großen Transformation (Foto: pa/Karmann)

Publik-Forum: Herr Bedford-Strohm, der Papst sagt: Diese Wirtschaft tötet. Beneiden Sie ihn wegen seiner radikalen Kapitalismuskritik oder sagen Sie: Das ist mir zu viel?

Heinrich Bedford-Strohm: Ich stimme dem moralischen Impuls, den der Papst gibt, von Herzen zu. Es ist immer wieder deutlich zu machen, welch moralischer Skandal darin steckt, dass unsere Weltwirtschaft es zulässt, dass jeden Tag 25 000 Menschen an Hunger sterben. Die Aussage »diese Wirtschaft tötet« macht auf zugespitzte Weise deutlich: Uns ist es nicht gelungen sicherzustellen, dass jeder Mensch auf der Welt würdig leben kann. Nahrung und Medizin sind vorhanden, aber nicht richtig verteilt.

Im Gegensatz zum Papst kommen die sozialethischen Aussagen der deutschen Kirchen wie jüngst die Ökumenische Sozialinitiative eher wolkig daher, nach dem Motto: Allen wohl und niemand weh.

Bedford-Strohm: Ich wünsche mir manchmal auch klarere Aussagen. Es ist aber ein Unterschied, ob ich etwas als Einzelperson sage oder in einem Dokument, bei dem wir für die Kirchen insgesamt sprechen. Ein solches Dokument muss auch unterschiedliche Stimmen in den Kirchen aufnehmen. Daher sollte man nicht zu viel von einem Papier erwarten, das versuchen muss, aus dem Zusammenhang von zwei großen Kirchen und unterschiedlichen Interessengruppen in diesen Kirchen zu denken.

Ergeben Dokumente ohne Sprengkraft überhaupt Sinn?

Bedford-Strohm: Ich finde, die Ökumenische Sozialinitiative enthält durchaus Sprengstoff. Ich hoffe allerdings schon, dass wir nach der Aufarbeitung der Diskussion

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