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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Abschied von der Predigt?

von Martin Urban, Rosemarie Wenner vom 21.09.2011
Baustelle Christentum: Eine kritische Bibellektüre zeigt, dass Gewissheiten über den Glauben nicht zu erlangen sind. Müssten die Kirchen daher nicht die Kanzel abschaffen? Dazu ein Pro und Contra und die online-Umfrage von Publik-Forum.
Können Menschen das Wort Gottes auslegen, wenn der Zweifel zum Glauben dazugehört?, fragt der Wissenschaftspublizist Martin Urban. Wer sonst, wenn nicht der Mensch, soll es auslegen?, sagt Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (Foto: Fotolia/Magnasco)
Können Menschen das Wort Gottes auslegen, wenn der Zweifel zum Glauben dazugehört?, fragt der Wissenschaftspublizist Martin Urban. Wer sonst, wenn nicht der Mensch, soll es auslegen?, sagt Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (Foto: Fotolia/Magnasco)

Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer nimmt in Deutschland stetig ab. Ob das auch an den Predigten liegt? Der Wissenschaftspublizist Martin Urban jedenfalls kann den meisten Predigten in den kirchlichen Gottesdiensten nicht viel abgewinnen: zu langweilig, zu besserwisserisch, zu sehr von oben herab. Doch seine Kritik ist grundlegender: Können Menschen überhaupt das »Wort Gottes« auslegen, wenn der Zweifel und die Kritik zum Glauben selbst dazugehören? Urban hat da seine Zweifel. Rosemarie Wenner, Bischöfin der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland, ist hier zuversichtlicher. Sie hält die verantwortungsvolle Predigt für unverzichtbar. Kann Gottes Wort überhaupt anders als durch Menschen vermittelt werden?, fragt sie. Und so zeigt sich der Disput über das Predigen im Kern als Auseinandersetzung über die Frage, wie der Glaube heute zeitgemäß, überzeugend, vor allem aber sachgerecht weitergegeben werden kann.

DAS PRO von Martin Urban: Niemand kann im Namen Gottes sprechen

EINE IM SOZIALISMUS AUGEWACHSENE Pragerin ging mit mir in München zwei Jahre lang hintereinander am Heiligen Abend zum Gottesdienst. Nach dem zweiten Mal klagte sie: »Das war ja genau dasselbe wie im vorigen Jahr.« Ich musste sie darauf hinweisen, dass dies nicht erst seit zwei, sondern seit zweitausend Jahren so ist.

Meine Kritik am Predigen ist prinzipiell. Die Kirche verfügt außer über den Fundus zweitausendjähriger Beschäftigung mit der Sache Gottes, den ich nicht kleinreden will, über kein besonderes Wissen. Der Pfarrer auf der Kanzel ist Gott nicht ein Stückchen näher als jeder andere Mensch, auch wenn das insbesondere die katholische Kirche (in Überhöhung der »Weihe«) anders sieht. Und so kann der Prediger auch nicht »Gottes Wort« verkünden 

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