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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

»Wir sind keine Stehaufmännchen«

von Andrea Teupke vom 21.12.2018
Resilienz ist das Zauberwort der Stunde: Angeblich hat es jeder Einzelne in der Hand, belastbarer und gesünder zu werden. Warum dieses Denken gefährlich ist, erklärt der Erziehungswissenschaftler Marcus Balzereit

Publik-Forum: Herr Balzereit, allerorten wird ein Loblied auf die Resilienz gesungen. Was haben Sie gegen diesen Begriff?

Marcus Balzereit: Was mich so ärgert, wenn ich Menschen zuhöre, die von Resilienz reden, ist ihr besinnungsloser Optimismus. Sie schauen nicht auf das, was in Gesellschaft notwendigerweise Leid verursacht; Fragen von Macht und Herrschaft, von sozialer Ausschließung tauchen da nicht auf. Der Blick geht nur auf den Einzelnen. Er soll seine Belastbarkeit stärken, um glücklich und erfolgreich zu werden. Das ist einigermaßen verrückt in einer Welt, die voll ist von Situationen der Konkurrenz und Ohnmacht. Das ist auch verrückt in Anbetracht der eigenen Endlichkeit. Die schmerzliche Beschäftigung mit dem eigenen Sterbenmüssen ist in diesem besinnungslosen Optimismus auch nicht aufgehoben.

Können Sie ein Beispiel dafür nennen?

Balzereit: Nehmen Sie ein Schlaglicht aus den USA: Der ehemalige Präsidentschaftskandidat John McCain, 81 Jahre alt, hatte Krebs im Endstadium. Dazu twitterte Vizepräsident Mike Pence: »John McCain ist ein Kämpfer und er wird auch diesen Kampf gewinnen.« Barack Obama ließ ausrichten: »Der Krebs weiß offenbar nicht, mit wem er sich angelegt hat. Mach ihm die Hölle heiß, John!« Ein solches Verständnis von Gesundheit enthält nicht die Erlaubnis schwach zu sein, es enthält auch keine Einsicht in die immer nur endliche und zerbrechliche Existenz von uns allen. Hier wurde einem sinnlosen Kampf um Gesundheit das Wort geredet, statt einer möglichst noch wachen Auseinandersetzung mit der je eigenen Vergänglichkeit. McCain ist dann ja auch im August gestorben.

Gesundheit wird quasi zur Pflicht?

Balzereit: Ja. Sie ist nicht mehr nur ein wünschenswerter Zustand, sondern auch eine von außen an uns herangetragene Norm. Sie muss unablässig gefordert und hergestellt werden, auch durch eine intensivierte »Selbstsorge« jedes einzelnen Bürgers.

Von »Resilienz« sprach man zuerst in der Entwicklungspsychologie: Emmy Werner hat auf Hawaii Mädchen untersucht, die unter schlechtesten Bedingungen aufwuchsen und sich trotzdem gut entwickelten ...

Balzereit: Ja, sie hat sich das ganz genau angeschaut: Was ist das Wichtigste, um auch in schlechtesten Verhältn

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