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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2018
Gott wird Wort
In der modernen Welt vom Unsagbaren reden
Der Inhalt:

Streit über die Widerspruchslösung

von Barbara Tambour vom 21.12.2018
Spenderorgane sind knapp. Können andere Regeln der Organspende und bessere Abläufe in den Kliniken das ändern?

Tiefstand: Im Jahr 2017 wurden so wenige Organe gespendet und transplantiert wie in keinem der vergangenen zwanzig Jahre. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat deshalb vorgeschlagen, das Spendersystem umzukehren: Bisher gilt als potenzieller Organspender, wer zu Lebzeiten ausdrücklich seine Bereitschaft dazu erklärt hat, etwa indem er einen Organspendeausweis ausgefüllt hat. Außerdem sind Angehörige oder andere bevollmächtigte Personen berechtigt, über eine Entnahme zu entscheiden. Der Gesundheitsminister fordert nun, die sogenannte Widerspruchslösung einzuführen. Sie besagt: Hat der Hirntote einer Organentnahme zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen, können die Organe zur Transplantation entnommen werden. Für diese Regelung spricht: Der Kreis potenzieller Spender würde dadurch erweitert. Länder, in denen die Widerspruchslösung gilt – etwa Österreich, Polen, Spanien, die Slowakei, Irland, Portugal –, haben höhere Transplantationszahlen.

Kritiker halten sie aber für verfassungswidrig. Auch für die katholische Kirche ist sie nicht akzeptabel: Nach ihrer Ansicht muss die Organspende eine bewusste und freiwillige Entscheidung bleiben. Ende November debattierte der Bundestag den möglichen Paradigmenwechsel in einer Orientierungsdebatte. Dabei wurde die Widerspruchslösung teils scharf attackiert, auch von CDU-Abgeordneten. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hingegen befürwortete sie. Eine Entscheidung soll 2019 fallen.

Doch selbst wenn die Widerspruchslösung eingeführt würde, hieße das nicht, dass damit alle Probleme rund um die Organspende gelöst wären. Denn die sind vielschichtig: Viele Menschen misstrauen der Transplantationsmedizin. Grund sind die Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Spenderorganen, die 2012 bekannt wurden. In den Krankenhäusern gibt es zudem viele organisatorische und finanzielle Schwierigkeiten, die die Identifizierung und Betreuung möglicher Organspender erschweren. Denn der Organentnahme bei einem hirntoten Patienten geht ein mehrtägiger Prozess voraus, in den viele Personen und verschiedene Fachdisziplinen involviert sind. Das muss in die Arbeitsabläufe einbezogen werden und belegt Intensivbetten und OPs. Angesichts eines erheblichen Personalmangels und enormer Arbeitsverdichtung in den Kliniken ist das eine große Belastung. Vergütet wird jedoch nur die reine Organentnahme.

Das soll sich ändern. Der Gesundheitsmin

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