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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Schöne Tage, dunkle Nächte

William Morris war Künstler, Sozialist und erfolgreicher Unternehmer. »Kunde von Nirgendwo«, seine romantische Utopie einer herrschaftsfreien Welt, ist nun endlich vollständig ins Deutsche übersetzt worden

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen: So brüsk beschied einst der Sozialdemokrat Helmut Schmidt all diejenigen, die eine radikal andere Welt erhofften. Eine Generation später wurde »alternativlos« zum Mantra einer CDU-Kanzlerin. Und heute? Wenn Romane oder Filme überhaupt noch die Frage »Was wäre wenn?« zu stellen wagen, dann wird die Zukunft in düstersten Farben ausgemalt, wie etwa in dem aktuellen Spielfilm »Blade Runner 2049« oder der Fernsehserie »Black Mirror«. Der Glaube an die Kraft der Utopie scheint restlos verflogen. – Da tut es gut, diesen neu aufgelegten Band in Händen zu halten: William Morris, der englische Künstler, Sozialist und Unternehmer, entwarf 1890 eine Welt, die nicht nur besser, sondern bezaubernd schön ist.

Sein Roman »Kunde von Nirgendwo«, den der Verlag Nautilus jetzt erstmalig ungekürzt ins Deutsche übersetzen ließ, beschreibt eine Idylle, die von der damals wie heute herrschenden Realität unendlich – oder mindestens eine blutige Revolution weit – entfernt war. In dieser Utopie, die Morris im Jahr 2100 ansiedelt, gibt es kein Privateigentum, keine Regierungen, kein Militär, keine Gefängnisse, keine Schulen, keine Polizei. Die Menschen leben friedlich in dörflichen Gemeinschaften auf dem Land von ihrer Hände Arbeit und regeln ihre Angelegenheiten selbst. Sie arbeiten, weil sie wollen, und nicht, weil sie müssen. Die Kinder lernen, was sie interessiert, und nicht, was ihnen aufgezwungen wird.

Berichtet wird das von einem Zeitreisenden aus London, der wundersamerweise plötzlich in der Zukunft erwacht: »Der stattliche junge Mond hängte seine Sichel hinter die wirren Äste einer stattlichen alten Rüster, und bei seinem Anblick wurde dem Wanderer zumute, als befände er sich gar