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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Frauen sind jung, Männer erklären die Welt

von Zoë Beck vom 22.12.2017
Eine breit angelegte Studie hat untersucht, welche Rolle Frauen in Film und Fernsehen spielen. Das Ergebnis ist bestürzend

Männer sind mit über vierzig erst so richtig interessant, heißt es. Und was sind Frauen über vierzig? Alt. Weibliche Filmstars jedenfalls beklagen schon immer, dass es für sie ab diesem Alter kaum große Rollen gibt. Meryl Streep bekam nach ihrem 41. Geburtstag erst mal drei Filmangebote: Jedes Mal war es die Rolle einer Hexe. Dabei ist sie doch immer noch gut im Geschäft. Bilden sich die Frauen das also nur ein? Fallen einem nicht gleich auf Anhieb noch weitere Beispiele für Hollywoodschauspielerinnen über vierzig ein? Für große Filmrollen mit weiblicher Besetzung, für weibliche deutsche Serienstars im reiferen Alter? Sind Frauen – egal welchen Alters – nicht allgegenwärtig?

Leider nein. Das Institut für Medienforschung an der Universität Rostock führte eine breit angelegte Studie mit dem Titel »Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland« durch. Die Studie unter der Leitung der Medienforscherinnen Elizabeth Prommer und Christine Linke wurde unterstützt von der MaLisa-Stiftung der Schauspielerin Maria Furtwängler, von öffentlich-rechtlichen wie privaten Fernsehsendern und einigen Filmförderungsanstalten. Untersucht wurden fast 3000 Beiträge aus deutscher Produktion oder mit deutscher Beteiligung aus dem Jahr 2016 sowie fast 900 Kinofilme aus fünf Jahren mit insgesamt über 11 000 Protagonisten und Protagonistinnen.

Das Resultat ist ernüchternd: 67 Prozent der gezeigten Personen sind Männer, 33 Prozent Frauen. Bei Fernsehfilmen ist der Unterschied nicht ganz so groß, dort haben Frauen 44 Prozent der Rollen, bei Soaps und Telenovelas liegen Frauen mit 52 Prozent sogar ganz knapp vorne. Doch schon bei höherwertig produzierten Fernsehserien klafft die Lücke wieder weit auseinander, der Frauenanteil bei den Hauptrollen liegt dort nur noch bei 38 Prozent. Die größten Unterschiede gibt es bei Informationssendungen und in der sogenannten »non-fiktionalen Unterhaltung«. (Darunter fallen Shows, Magazine, Lebensberatung – kurz gesagt: alles, wo keine Schauspieler und Schauspielerinnen mitspielen.) Hier ist der Männeranteil mit fast siebzig Prozent extrem hoch und scheint uns zu sagen: Männer erklären die Welt. Männer sind zu 79 Prozent in der Expertenrolle, 72 Prozent der Erklärtexte werden von ihnen gesprochen und 64 Prozent der Journalisten, die vor der Kamera stehen, sind männlich.

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