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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Europa zum Dessert?

Aber bitte mit Sahne! Martin Schulz fordert die Vereinigten Staaten von Europa

Europa kommt in politischen Diskussionen oft »auch noch« vor, gewissermaßen als Beigabe, zum Dessert. Martin Schulz will das nun mit Sahnehäubchen servieren – oder Europa gleich ganz zum Hauptgericht machen. Doch als er jüngst vorschlug, aus der EU sollten die Vereinigten Staaten von Europa werden, wurde er dafür ausgebuht. Wenn sich Politiker im Klein-Klein verlieren, ist es falsch. Wenn sie große Zukunftsvisionen entwerfen, offenbar auch.

Schulz sucht den Schulterschluss mit Frankreichs Präsidenten Macron. Der forderte bereits im Herbst eine Neuausrichtung der EU, doch von Deutschlands führenden Politikern kam so gut wie keine Reaktion darauf. Die EU befindet sich in einer Krise, da sind sich alle einig. Über einen radikalen Umbau will man dann aber doch lieber nicht reden. – Gut, dass der SPD-Vorsitzende dies jetzt ändert. Martin Schulz brennt für Europa, das ist seine Leidenschaft, da kennt er sich aus. Der Mann war 23 Jahre Europapolitiker – schade, dass er Europa nicht schon während des Wahlkampfs zu seinem Kernthema gemacht und hier mit seiner Expertise gepunktet hat.

Natürlich muss es konkreter werden, natürlich muss diskutiert werden, ob wir die Vereinigten Staaten von Europa überhaupt wollen. Vielleicht lieber ein Europa der Regionen? Oder etwas ganz anderes? Wichtig ist, dass wieder über große Visionen für Europa gesprochen wird. Wären die Gründungsväter der EU auch so zögerlich und zukunftsscheu gewesen wie heutige Unionspolitiker, wir hätten noch immer keine gemeinsame EU. Deshalb ist es richtig, dass Schulz jetzt eine scheinbar radikale Forderung aufstellt. Zu hoffen bleibt, dass er dabei in Zukunft auch auf die junge Generation zugeht. Von