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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Wehret dem Hass!

von Bettina Röder vom 22.12.2017
Judenfeindlichkeit auf den Straßen, in den Schulen, auch bei Migranten: Was längst vergessen schien, kommt wieder hoch. Was jetzt zu tun ist

Wo Fahnen verbrannt werden, da ist der Vernichtungswille groß, da gibt es nur noch Hass. Und der gebiert in dieser Welt nichts als neuen Hass. Genau das geschah jüngst in Berlin, am Brandenburger Tor. Da brannte die israelische Fahne mit dem Davidstern. Ausgerechnet neben dem Wahrzeichen der deutschen Hauptstadt, durch das 1933 Fackelträger der SS marschierten. Das aber auch für den Fall der Mauer und für gewaltlose Überwindung von Grenzen steht. Dass an diesem Ort wieder sichtbar gehasst wird, lässt alle Alarmglocken schrillen.

Sie schrillen, weil klar wird: Der Antisemitismus, die Judenfeindlichkeit ist in Deutschland verbreiteter als gemeinhin angenommen. Zum anderen aber auch deshalb, weil die unsägliche Politik von Donald Trump ebendiesen Antisemitismus im wahrsten Sinne des Wortes befeuert, und zwar in aller Welt. Auf Letzteres muss es eine klare politische Antwort geben.

Auf Ersteres, den immer hemmungsloser zutage tretenden Antisemitismus in unserem Land, ist neben der Politik die Zivilgesellschaft gefordert. Nach einer Studie, die das American Jewish Committee in Auftrag gegeben hat und deren Ergebnisse jetzt vorgestellt wurden, sind judenfeindliche Ressentiments und antisemitische Verschwörungstheorien unter Flüchtlingen weit verbreitet. Sie treten, so heißt es, immer hemmungsloser zutage. Bei arabischen Jugendlichen vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts, der kaum zwischen Israelis und Juden unterscheidet. Bei radikalen islamischen Gruppierungen wiederum wird von Juden als von »Feinden des Islams« gesprochen. Das alles ist allerdings nicht erst seit heute so. Nur wird aus aktuellem Anlass gerade wieder darüber diskutiert – bis das nächste Thema die Öffentlichkeit beherrscht.

Was also wäre jetzt dran? Der israelische Psychologe und Islamexperte Ahmad Mansour, der schon vor Jahren in einem Dossier für die Bundeszentrale für politische Bildung vor Antisemitismus unter Jugendlichen warnte, fordert eine »nationale Strategie« dagegen. Er ist überzeugt: Hasserfüllte Jugendliche kann man erreichen. Man muss auf sie zugehen und klare Alternativen bieten zu Einstellungen, die sie etwa aus ihren Elternhäusern mitbringen, von »Peergroups« – Jugendgruppen mit gleichen Werten – übernehmen, auch aus dem Internet.

Wann wird endlich gegen hasserfüllte Inhalte in den sogenannten so

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