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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Aufgefallen: Der Freiheitsfechter

von Thomas Seiterich vom 22.12.2017
Der polnische Journalist und Priester Adam Boniecki darf nicht mehr publizieren, weil er einen Mann würdigte, der sich selbst verbrannt hat

Adam Boniecki ist einer der berühmtesten Journalisten Polens, ausgezeichnet mit dem höchsten Orden der Republik. Der Priester leistete schon in den bleiernen Jahrzehnten vor dem Befreiungsjahr 1989 gegen den polnischen Kommunismus Widerstand. Heute engagiert sich der mittlerweile 83-Jährige gegen die autoritäre Politik der nationalistischen Regierungspartei PiS, die von der katholischen Kirche in Polen weitgehend unterstützt wird. Boniecki ist Ehren-Chefredakteur der Krakauer progressiven katholischen Zeitschrift Tygodnik Powszechny. »Pater Boniecki ist eine nationale Legende, sein Name ist das Synonym für die offene Kirche in Polen«, sagt Bartosz Dudek, Chef der Polen-Redaktion der Deutschen Welle in Bonn.

Zurzeit ist es Pater Boniecki verboten, sich öffentlich zu äußern, weil er dem polnischen Bürger Piotr Szczesny die Totenrede hielt. Dieser hatte sich im November aus Protest gegen die Politik der rechtskonservativen Regierungspartei PiS öffentlich mit Benzin übergossen und verbrannt. In selbst verfassten Flugblättern, die neben seiner Leiche lagen, gab er seiner verzweifelten Angst darüber Ausdruck, dass die Regierung die Demokratie und Bürgerrechte Zug um Zug beseitige. Pater Adam Boniecki leitete das Begräbnis Szczesnys im südpolnischen Niepolomice gemeinsam mit dem oppositionellen Weihbischof Tadeusz Pieronnek. Pater Boniecki sagte in seiner Trauerpredigt: »Wir verabschieden Piotr, seligen Angedenkens. Einen Menschen, der wie ein Schrei war, der die Stille teilt; wie ein Feuer, das in der Dunkelheit die Gestalt der Dinge sichtbar macht. Ein Schrei weckt Angst, ein Feuer weckt Angst, der Tod weckt Angst.«

Wegen seines Handelns als Priester brach über Pater Boniecki eine Hasskampagne los. Rechte und konservative Katholiken schmähten ihn, weil er wider die Kirchengesetze einen Selbstmörder gesegnet und kirchlich beerdigt, ja obendrein sogar noch gewürdigt hatte. Bischöfe warfen ihm vor, Selbstmord zu unterstützen. Drei Tage nach dem Begräbnis erhielt Boniecki von seinem Oberen in der Ordensgemeinschaft der Marianer ein Publikationsverbot. In der Begründung heißt es, der Spitzenjournalist habe polenweit »völlige Verwirrung und Empörung ausgelöst«. Nur seine Kolumne im Tygodnik Powszechny darf Boniecki weiterhin schreiben.

»Für mich ist das nichts Neues«, sagt der Pater. Er lach

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