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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

Spiritprotokoll: Licht und Liebe

von Irene Dänzer-Vanotti vom 18.12.2015
Seit fast zwanzig Jahren übt unsere Autorin »Metta-Meditation«: Gemeinsam mit Freundinnen sendet sie »liebende Güte« in die Welt

Ihre Stimme ist dunkel. Die deutsche buddhistische Nonne Ayya Khema leitet die »Meditation der liebenden Güte« an. Ich hörte sie auf einer Kassette sprechen und war beeindruckt. Inzwischen meditiere ich selbst auf diese Weise.

Ich selbst bin keine Buddhistin. Manche Anhänger des Buddhismus, die ich kenne, scheinen mir in ihrer religiösen Praxis auf einer merkwürdig verzweifelten Suche nach Glück zu sein. Ich bin ganz einfach evangelisch, das genügt mir. Aber die ganze Welt und sich selbst mit Licht und Liebe zu umhüllen: Diese Vorstellung hat mir sofort gefallen, als ich die Kassette über die sogenannte »Metta-Meditation« hörte.

Ayya Khema war eine beeindruckende Frau. Sie wurde 1923 als Jüdin in Deutschland geboren und ist mit einem Kindertransport nach England und später mit ihren Eltern nach Schanghai ausgewandert. Nach dem Krieg lebte sie ein wildes Leben mit Männern, Kindern und Weltreisen, bis sie in Sri Lanka den Buddhismus entdeckte. Im Allgäu gründete sie ein buddhistisches Zentrum und lehrte dort, bis sie 1997 starb.

So etwas Schlichtes, Schönes und Alltagstaugliches wie diese »Liebende-Güte-Meditation« kenne ich im Christentum nicht. Am ehesten kann man das vielleicht mit einem Fürbitt-Gebet vergleichen, aber man spricht dabei keinen persönlichen Gott an. Ich übe das jetzt schon seit fast zwanzig Jahren alle zwei oder drei Wochen mit zwei Freundinnen, Sigrid und Hilma.

Wir treffen uns reihum, eine kocht, und jede erzählt, was sie erlebt hat, was schwierig und was erfreulich war. Die anderen machen auf Themen aufmerksam, die schon seit Jahren drücken, auf Lösungsmöglichkeiten, auf Hoffnungen. Es ist eine Art gegenseitiges Coaching. Das genügt uns aber nicht, um für die nächsten drei Wochen seelisch gut genährt zu sein.

»Ich fülle mich ganz auf mit Licht und Liebe«, heißt der erste Satz von Ayya Khemas Meditation. Wir sitzen auf unseren Stühlen im Kreis, aufrecht und bei Kerzenlicht. Ich spreche den Satz laut und stelle mir dabei vor, wie ich meinen Körper vom Herzen bis in die Zehen und mein ganzes Wesen mit dem auffülle, was Licht und Liebe für mich bedeuten, mit einer hellen, weichen und doch starken Kraft. Den Satz wiederhole ich ein paar Mal – manchmal sage ich: »Ich fülle jede meiner Zellen mit Licht und Liebe auf« – und dann gehe ich nach Ayya Khemas Vorbild weiter: »Ich fülle die Menschen in diesem

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