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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

»Gefährliche Symbolaktion«

von Bettina Röder vom 18.12.2015
Proteste gegen den Syrien-Einsatz in dreißig Städten. Mehr als 200 Organisationen und die Kirchen melden sich zu Wort

Es ist ein wenig wie in einem wogenden Meer. Touristen strömen an diesem Abend zum Brandenburger Tor. Die Teilnehmer einer Kundgebung, die hier gerade zu Ende gegangen ist, kommen ihnen entgegen. Auch der 30-jährige Johann Saudhof und die 29-jährige Julietta Salevski sind darunter, Hand in Hand bahnen sie sich den Weg. Nicht demonstrativ, eher vorsichtig hält der junge Programmierer ein Schild hoch. Kein großes, aber unübersehbar. »Waffenexporte stoppen statt Kriege führen« steht darauf. Als er von der Kundgebung gegen den Syrieneinsatz gehört habe, habe er das schnell gefertigt. »Genau darauf kommt es doch an«, sagt er. Vor allem die, die nicht bei der Kundgebung dabei waren, sollen es lesen. Nein, sagt er, Angst vor dem geplanten Syrien-Einsatz der Bundeswehr habe er nicht. Der mache ihn »einfach nur sauer«. »Angst ist doch okay«, sagt nachdenklich seine Freundin Julietta und zieht die bunte Wollmütze tiefer. »Wir dürfen uns nur nicht von ihr beherrschen lassen.« Sauer sei sie vor allem über das »Affentempo, mit der die Entscheidung jetzt durch das Parlament gejagt wird«.

Die junge Zeitarbeiterin und ihr Freund kritisieren, was die gut 2000 Menschen bewegt, die sich kurzfristig zu der Kundgebung am Brandenburger Tor versammelt haben. Im Rücken haben sie den erleuchteten Bundestag, in dem am nächsten Tag die Abstimmung über den Syrien-Einsatz über die Bühne geht. Von Pax Christi über IPPNW bis hin zum Versöhnungsbund kritisieren in diesen Tagen mehr als 200 Initiativen, Organisationen wie auch Kirchen den Einsatz. Das Pauluswort: »Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem«, heiße heute, die Gewaltspirale zu durchbrechen, heißt es in einer Erklärung der badischen Landeskirche. Der Syrieneinsatz sei das Gegenteil. Thema der Proteste ist vor allem aber auch, dass Deutschland gleichzeitig Waffen in die Krisenregion liefert: Leopard-zwei-Panzer nach Katar, an Saudi-Arabien ging eine komplette Waffenfabrik, so das Komitee für Grundrechte und Demokratie. Nicht nur in Berlin, deutschlandweit fanden Demonstrationen statt: so in München, Leipzig, Stuttgart, Greifswald, Dresden, Freiburg, Trier oder Müllheim. Gut dreißig Orte sind es.

Auf der Kundgebung in Berlin hatte die katholische Friedensbewegung Pax Christi den Bundestag aufgefordert, mit Nein zu stimmen. Eine Beteiligung ist

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