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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

»Das haben wir gut hingekriegt«

von Constanze Bandowski vom 04.05.2012
Anni Kleist (95) ist seit 72 Jahren mit ihrem Mann Walter (100) verheiratet. Und sie leben noch immer in derselben Wohnung

Letzte Woche hatten wir Hochzeitstag: 72 Jahre! Und genauso lange leben wir nun schon in dieser Wohnung. Manchmal wundere ich mich selbst.

An solch einer langen Ehe muss man hart arbeiten. Das ist nicht immer nur Honigschlecken! Man muss das Zusammenbleiben wirklich wollen. Es gibt Momente, wo man auch mal seine Zweifel hat, das muss ich schon sagen. Man muss sein Ego zurückstellen, ohne dabei sein Selbst zu verlieren. Das haben wir ganz gut hingekriegt, meine ich. Nicht wahr, Vati?

Wir wollen so lange wie möglich in unserer Wohnung bleiben. Das geht aber nur so lange, wie ich noch einigermaßen kann. Ich erledige noch unsere Bürosachen, die Krankenkasse, Pflegeversicherung und so weiter. Das will mir mein Sohn alles gerne aus der Hand nehmen, aber ich denke, es hält meinen Geist noch etwas fit. Ich will die Übersicht über unser Leben behalten.

Mein Mann schaut gerne Natur- und Techniksendungen im Fernsehen, er ist ja gelernter Ingenieur und immer noch sehr an Technik interessiert. Er liebt auch politische Talkshows wie Maybrit Illner oder den Plasberg. Den kennen Sie doch: »Hart aber fair«? Das ist ja sehr interessant! Nur später darüber reden und diskutieren wie früher, das klappt nicht mehr: Ich höre nicht mehr so gut, und mein Mann redet so furchtbar leise.

Zum Glück haben wir genug Hilfe: Morgens und abends kommt eine Pflegerin, die wäscht meinen Mann und zieht ihn an oder macht ihn bettfertig. Ich selbst habe Schwierigkeiten, meine Bluse zuzuknöpfen, denn meine Hände sind taub. Und ich kann mich nicht mehr aufrecht halten, brauche auch in der Wohnung diesen Wagen. Im Grunde ist der ganz praktisch, da kann ich alles draufstellen und hin- und herfahren. Alle 14 Tage macht eine Putzfrau gründlich sauber. Zwischendurch kommt eine andere Dame fürs Grobe. Die Wäsche mache ich noch selber, nur die Tischtücher bringt mein Sohn weg. Der Fußpfleger und der Frisör kommen ins Haus, und Frau Doktor natürlich. Und dann sind da ja noch die Kinder, die kümmern sich sehr um uns. Und die lieben Nachbarn.

Anfang April bin ich 95 geworden, zwei Wochen später feierten wir den hundertsten meines Mannes. Wer wird schon so alt? Da kam die ganze Familie zusammen. Wir haben zwei Söhne und eine Tochter, sieben Enkel und fünf Urenkel. Alle waren da, auch die Schwiegerkinder und die Partner der Enkel. Die passen ja gar nicht alle in u

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