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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Oma für schwere Jungs

von Sabine Henning vom 04.05.2012
Anders leben: Petra Peterich will keinen Ruhestand mit Reisen und Kultur. Stattdessen nimmt die 67-Jährige jugendliche Straftäter in ihr Haus auf, die sonst in den Knast müssten

Der Messinggriff ist verschnörkelt. Wer in das Haus gelangen will, braucht ihn nur herunterzudrücken, und die Tür öffnet sich. Die Schwelle zwischen drinnen und draußen ist niedrig. Anders als im Knast.

Petra Peterich sitzt in einem schwarzen Ledersessel. Von ihrem Büro im Erdgeschoss hat sie alles im Blick. Durch ein Fenster sieht sie, wer kommt. Sie sitzt oft hier. Die 67-Jährige ist das Zentrum eines Hauses, in dem sie mit ihrem Mann und fünf straffällig gewordenen Jugendlichen wohnt. Sie möchte, dass diese jungen Männer Teil der Gesellschaft sind und bleiben. Auch wenn sie ihre Regeln nicht geachtet und anderen Menschen geschadet haben.

Die Sozialpädagogin will das Gute aus den jungen Straftätern herauskitzeln und ist doch alles andere als naiv. 1996 gründete sie zusammen mit ihrem Kollegen Frido Ebeling die »U-Haft-Alternative« in Lüneburg als Teil eines Projektes zur ambulanten und stationären Betreuung von straffällig gewordenen Jugendlichen und Heranwachsenden des Albert-Schweitzer-Familienwerks.

Bis zur Hauptverhandlung wohnen die jungen Männer, die andernfalls in Untersuchungshaft kämen, bei den Peterichs. Beweisen sie ihren Veränderungswillen, kann das Gericht die Jugendstrafe zur Bewährung aussetzen. In diesen Fällen bleiben sie länger bei den Peterichs – in der Regel eineinhalb Jahre. »Stationäre Jugendhilfemaßnahme« nennt sich das dann. Für ihr Engagement hat Petra Peterich vor einem Jahr den Panter-Preis der tageszeitung (taz) erhalten.

Um kurz vor vier Uhr nachmittags winken Alkan und Serge mit strahlenden Augen durch das Fenster. Petra hätte nicht gedacht, dass die beiden so pünktlich zurücksein würden. Vor einer Stunde hatten sie sich ins fünf Kilometer entfernte Lüneburg aufgemacht, um eine Karte fürs Handy zu kaufen. Jetzt freut sie sich.

Die anderen Jungs haben inzwischen mit ihrer Hilfe die Kaffeetafel im Wintergarten gedeckt. Kirschen zieren die Sahnetorte, Muffins stapeln sich auf dem Glasteller: Benjamin wird heute 18 Jahre alt. Er setzt sich ans Kopfende; Milan, Darius, Alkan und Serge verteilen sich um den Tisch. Die meisten von ihnen kommen aus Hamburg, wo sie als »Intensivtäter« gelten: Jeder von ihnen hat eine dicke Akte voller Anzeigen über Prügeleien, Diebstahl, Raub und Dr

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