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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

In der Wüste

von Andreas Boueke vom 04.05.2012
Die koptischen Mönche spüren nur wenig von den umwälzenden Ereignissen, die die ägyptische Gesellschaft zurzeit erlebt

Der Evangelist Matthäus berichtet davon, wie Maria, Josef und der Neugeborene Jesus auf ihrer Flucht vor den Schergen des Herodes nach Ägypten gezogen sind. Dabei sollen sie auch durch die unwirtliche Gegend von Wadi al-Natrun gekommen sein. An die Reise erinnern zahlreiche Kultstätten. In diese Klöster und Kirchen haben sich schon zu Beginn des vierten Jahrhunderts christliche Eremiten zurückgezogen. In der Einsamkeit der Wüste wollten sie sich Gott näher fühlen. Heute ist die Wüstenlandschaft Wadi al-Natrun eine Hochburg christlichen Lebens in Ägypten.

Die meisten Christen in Ägypten sind Kopten. Das Wort Kopt kommt von Aigyptios. Deshalb sagen viele Kopten, sie seien die ursprünglichen Ägypter. Die Araber sind erst im Jahr 620 nach Christus in das Nildelta gekommen.

Das wohl älteste koptische Kloster ist das von al Baramus. Hier lebt ein junger Mönch, der seinen Namen nicht nennen möchte. Aber über sein Leben gibt er bereitwillig Auskunft: »Ich verlasse das Kloster nur sehr, sehr selten. In zwölf Jahren bin ich drei Mal rausgegangen. Ich habe dieses Leben selbst gewählt. Deshalb empfinde ich es nicht als eine Beeinträchtigung meiner Freiheit.«

Offenbar hat das Mönchsleben in der Wüste nichts von seiner Anziehungskraft verloren. In den Klöstern von Wadi al-Natrun leben heute mehrere Hundert Mönche in selbst auferlegter Armut und Enthaltsamkeit. »Jeder hat eine andere Motivation«, sagt der junge Mönch. »Der eine mag denken: ›Mein Leben auf der Erde wird früher oder später zu Ende sein. Ich muss etwas für mein ewiges Leben tun.‹ Ein anderer hat vielleicht die Geschichte eines Heiligen gelesen und ist davon tief berührt worden. Ich selbst hatte ein sehr komfortables Leben und eine gute Familie. Ich habe Wirtschaftswissenschaften studiert und hatte eine gute Anstellung. Gott sei Dank habe ich ein erfolgreiches Leben geführt. Trotzdem habe ich mich entschieden, die Welt zu verlassen und ins Kloster zu gehen. Ich wollte mehr Zeit für das Gebet und für die Kontemplation nutzen.«

Das Leben in den Klöstern ist geprägt von Ritualen und Bräuchen. Die Mönche spüren nur wenig von den umwälzenden Ereignissen, die die ägyptische Gesellschaft zurzeit erlebt. »Wir kümmern uns nicht um Politik. Aber immer mal wieder kommen Leute von außerhalb, die uns Nachrichten bringen. Wir haben eine Meinung so wie jeder Mensch. Ich glaube, dass die Islamisierung des

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