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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Streitfragen zur Zukunft: Weihnachten feiern – auch ohne Jesus?

von Margot Kässmann vom 08.12.2017
Nein, wer Weihnachten wirklich feiern will, kommt an Jesus nicht vorbei

Vor Jahren habe ich in Hannover eine Aktion ins Leben gerufen: »Advent ist im Dezember«. Mich hat gestört, dass bereits Ende August sogenanntes Weihnachtsgebäck in den Supermärkten Einzug hält und sogenannte Weihnachtsmärkte schon lange vor Buß- und Bettag eröffnet werden. Es geht doch um ein christliches Fest. Und in der christlichen Tradition gibt es erst eine Zeit des Innehaltens. Wir erinnern am Volkstrauertag an die Opfer der Kriege, wir fragen uns am Buß- und Bettag, wo wir in unserem persönlichen Leben oder als Gesellschaft etwas verändern müssen, und wir gedenken der Verstorbenen des letzten Jahres am Toten- bzw. Ewigkeitssonntag. Es braucht Zeit für diese Themen und Fragen. Danach zünden wir langsam ein Licht nach dem anderen an und bereiten uns vor auf das große Christfest. Eigentlich ist der Advent eine Fastenzeit, um die Vorbereitung zu intensivieren. Vorfreude entsteht durch Warten. Aber unsere Gesellschaft hat Warten verlernt. Sie schafft Rituale und Traditionen nach und nach beiseite. Alle Lebensbereiche werden kommerzialisiert, auch christliche Bräuche.

An einem Tag im frühen November, als allüberall auf den Kaufhausspitzen goldene Englein blitzten, gingen wir in einer kleinen Gruppe durch die Stadt und verteilten Flyer. Mir ging es darum, die Menschen zum Abwarten zu ermutigen. In einer eleganten Galerie kam der Sicherheitsdienst und erklärte, wir dürften hier nichts verteilen und sollten den Ort des Kaufens bitte verlassen. Ich habe gesagt: »Schauen Sie mal, die Engel und die Sterne da oben, die Krippenfiguren im Fenster, die Glocken, die da hängen, die haben alle was mit Inhalten zu tun. Und genau darum geht es.« Der Geschäftsführer wurde geholt, ihm war das peinlich, und schließlich haben wir den Konsumtempel verlassen – Weihnachten ist ja schließlich das Fest des Friedens.

Ich habe gar nichts dagegen, dass der Einzelhandel am Fest verdient. Mich stören Weihnachtsmärkte und heimelige Dekoläden in der Adventszeit nicht. Ich habe nichts gegen Kitsch und kann sogar dem »Last-Christmas«-Gedudel ab und an etwas abgewinnen. Aber mit dem echten und ursprünglichen Weihnachtsfest hat das alles nicht mehr viel zu tun.

Als Christen feiern wir, dass mit diesem Kind, das geboren wurde, Gott selbst in die Welt kommt. Dass mit ihm eine Botschaft in die Welt kommt, die lautet: »Fürchtet euch nicht!« Und: »Frieden auf Erden!« Wir sind überzeugt, dass wir Mensch

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