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Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Schutzpatron der Migranten

Pater Alejandro Solalinde baut Zufluchtsstätten für Flüchtlinge und trotzt der Drogenmafia in Mexiko

Der Mann, den die mexikanische Drogenmafia mit dem Tod bedroht, hat eine sanfte Stimme und umarmt jeden, der an diesem Abend vor ihn tritt. Alejandro Solalinde Guerra, ein 72-jähriger katholischer Priester und Kämpfer für die Menschenrechte, weilt auf Einladung von Amnesty International in Berlin. Um den Hals trägt er ein schlichtes Kreuz. Schwarzes glattes Haar umrahmt ein Gesicht, das Ruhe ausstrahlt. Im Publikum sitzen linke Aktivisten aus Deutschland und Lateinamerika. Mit dem Christentum können die meisten von ihnen wohl nichts anfangen, wohl aber mit Solalindes Herzensthema, den Menschen, die überall in der Welt vor Krieg und Not fliehen. Solalinde sagt: »Gott spricht mit uns durch die Migranten. Er zeigt uns, dass er existiert, denn er begleitet sie.«

2007 gründete Solalinde im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca die Herberge Hermanos en el Camino, Geschwister auf dem Weg. Inzwischen koordiniert er sechs Herbergen. Dort übernachten Lateinamerikaner, die Mexiko durchqueren, um illegal in die USA zu gelangen. Mexikos Polizei schikaniert sie; die Drogenmafia entführt die oft Minderjährigen und foltert sie, bis sie die Kontaktdaten ihrer Verwandten nennen. Diese erpressen die Mafiosi dann um viel Geld – oder sie senden ihnen zum Beispiel das abgeschnittene Ohr ihres Angehörigen.

In Solalindes Herbergen finden die Migranten für kurze Zeit Schutz auf ihrer mehrere Tausend Kilometer langen Odyssee – Ruhe, Essen und, falls nötig, einen Arzt. Die Mafia teilte dem Priester schon 2012 mit, dass der Killer für ihn bereits bestellt und bezahlt sei. Schutz vom mexikanischen Staat hat er bislang nicht zu erwarten. Doch er stützt sich auf Menschenrechtler wel