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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2017
Wie kommt Gott in die Welt?
Ein muslimisch-christliches Gespräch zum Advent
Der Inhalt:

Der Letzte Brief (Vorsicht Satire!): Sehr geehrter Herr Waldherr,

vom 08.12.2017

wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass wir Ihnen den großen Waffenschein zur Gefahrenabwehr in dem sozialen Brennpunkt bewilligt haben, in dem Sie leben. Das ermöglicht Ihnen eine aktive Vorwärtsverteidigung mit einer abgesägten Schrotflinte oder einer Maschinenpistole bei aufdringlichen, unerwünschten Hausbesuchen – oder wenn die Musik zu laut ist beim Nachbarn. Voraussetzung für die Anwendung von Waffengewalt ist allerdings, dass Sie vorher bei dem Nachbarn klingeln und ihn warnen.

Zu Ihrer Anfrage in Sachen Flüchtlinge müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass die Erlaubnis für den Gebrauch eines Waffenscheins noch keine persönlichen Abschiebungen von Flüchtlingen möglich macht. So weit ist der Gesetzgeber noch nicht.

Und nun zu der vorhandenen Sicherheitslücke in Ihrem Familienumfeld: Obwohl wir durchaus Verständnis haben für die Lage Ihres dreijährigen Sohnes, der in seiner Kinderkrippe von einer dreiköpfigen Mädchenclique bedroht wird, scheint uns eine Lösung mit automatischen Waffen in diesem Fall noch nicht sinnvoll. Sie ist auch rechtlich umstritten. Aufgrund Ihrer Anfrage haben sich Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes inzwischen ein genaues Bild der Situation im Kindergarten gemacht. Unserer Empfehlung, dass die drei Mädchen wenigstens mit elektronischen Fußfesseln ausgestattet werden, sind die Erzieherinnen leider nicht gefolgt.

Dennoch müssen wir Ihren Antrag auf einen großen Waffenschein für Ihren Sohn ablehnen, auch wenn Sie ihm nur eine kleine Deringer-Pistole kaufen wollen. Schließlich wären Sie möglicherweise haftbar, wenn Ihr Sohn dann versehentlich einer Erzieherin in den Kopf schießt oder – noch schlimmer – die Fensterscheibe unserer städtischen Einrichtung zerschießt. Wir bitten Sie dafür herzlich um Verständnis. Aber wir wollen ja alle keine amerikanischen Verhältnisse.

Selbstverständlich können Sie für Ihren Sohn gerne einen kleinen Waffenschein beantragen. Er macht ihm die Selbstverteidigung mit einer Luftpistole oder einem Dolch möglich. Ein formloser Antrag genügt.

In der Hoffnung, Ihre Sicherheitsbedürfnisse und die Ihrer Familie gestärkt zu haben, verbleiben wir

Mit freundlichen Grüßen

Alfred Semmelmeyer, Städtisches Ordnungsamt

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