Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2016
Mit Feinden reden
Ex-Diplomat Michael Steiner über die Magie des Verhandelns
Der Inhalt:

Der Krieg in Jemen – Europas Schande

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 02.12.2016
Die Lage in dem arabischen Land ist katastrophal, doch das ist kaum bekannt. Vielleicht, weil vertuscht werden soll, dass Europa und die USA mitverantwortlich sind?

Die Bomben fallen überall. Auf Märkte. Auf Hochzeitsgesellschaften. Auf Schulen, Moscheen und Wohnhäuser. Auf Krankenstationen, Lebensmittellager und Trauerfeiern. Es sind Bomben aus Saudi-Arabien. Und aus Europa.

Seit März 2015 tobt im Jemen ein blutiger Krieg. Die schiitischen, vom Iran unterstützten Kämpfer der Huthis gegen die saudischen Truppen, die den vertriebenen Präsidenten Hadi unterstützen, so lautet die gängige Erzählung. Doch es ist komplizierter als das, viele lokale Akteure spielen eine Rolle. »Es gibt nicht nur einen Krieg im Jemen, sondern mehrere«, fasst Adam Baron vom Thinktank European Council on Foreign Relations die Lage zusammen. Im März 2015 griff eine Koalition aus neun arabischen Staaten, angeführt von den Saudis, im Jemen ein. »Indirekt hat das auch mit dem Atomabkommen zwischen den USA und dem Iran zu tun, denn die Saudis fürchten ein Erstarken Irans und damit um ihren Einfluss am Golf«, erklärt die Jemen-Expertin Marie-Christine Heinze vom Bonner Forschungsinstitut Carpo.

Inzwischen sind von den rund 26 Millionen Jemeniten über 21 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen – achtzig Prozent der Bevölkerung. 1,5 Millionen Kinder sind unterernährt. Mindestens 5000 Zivilisten sind bereits ums Leben gekommen. Tausende wurden verletzt oder verstümmelt, Tausende sind geflohen, nach Somalia oder Dschibuti – nach Europa schafft es kaum jemand. Auch das geschichtsträchtige kulturelle und architektonische Erbe des Landes liegt in Stücken.

Der Jemen war schon vor Beginn des Krieges das Armenhaus der arabischen Welt. Was die Bevölkerung jetzt erlebt, ist eine humanitäre Katastrophe. Die Berichte von Ärzte ohne Grenzen lesen sich wie ein einziger Hilfeschrei. Keine Lebensmittel, kein frisches Trinkwasser, keine Medikamente. Beide Seiten gehen mit äußerster Brutalität vor; Friedensverhandlungen sind gescheitert. »Das Land ist kollabiert, es befindet sich im freien Fall«, warnt Baron.

Dass es so weit kommen konnte, liegt auch an den USA und Europa – allen voran Großbritannien, Frankreich und Deutschland. Saudi-Arabien darf dank einer Lizenzgenehmigung Gewehre des deutschen Herstellers Heckler & Koch für den Eigenbedarf bauen. Im Juni 2015 wurde bekannt, dass die Bundesregierung keinerlei Kontrolle hat, an wen die

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen