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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2016
Mit Feinden reden
Ex-Diplomat Michael Steiner über die Magie des Verhandelns
Der Inhalt:

Das Politische Porträt: Der für seine Stadt kämpft

von Bettina Röder vom 02.12.2016
Alexander Ahrens ist Oberbürgermeister der Stadt Bautzen, die wegen fremdenfeindlicher Zwischenfälle Schlagzeilen machte. Doch er gibt nicht auf. »Genau hinsehen« ist sein Lebensmotto

Nach seinen Aufenthalten in Hongkong und Shanghai habe er unter einer »Überdosis an Großstädten« gelitten. Darum zog es den Juristen, der in Asien große deutsche Industriefirmen beraten hatte, ins beschauliche Bautzen in der Oberlausitz. Dort ist Alexander Ahrens seit einem Jahr Oberbürgermeister. Und alles hätte so schön sein können: in einer der schönsten Altbaustädte Deutschlands, die schuldenfrei ist, mit wachsender Geburtenrate. Vorzeigestadt Ost, umgeben von Bergen und weiten Tälern, in einer von Sorben bewohnten Landschaft. Doch Fehlanzeige. Bautzen ist in den Schlagzeilen, weil die Bilder aus der Stadt alles andere als schön sind: eine brennende Asylunterkunft Anfang des Jahres, immer wieder pöbelnde Nazis, die mit Hassparolen durch die Stadt ziehen. Alexander Ahrens, der hochgewachsene, ein wenig schlaksig wirkende Bürgermeister, sagt zwar: »Von ein paar Hohlköpfen lassen wir uns unsere Stadt doch nicht kaputt machen.« Doch das ist leichter gesagt als getan. Schlimme Bilder kann man nicht ungesehen machen.

Da ist es hilfreich, dass der 1966 in Westberlin geborene Ahrens die Ruhe bewahrt und vor allem mahnt, genau hinzuschauen. »Die Stadt hat ein Prozent Ausländer, 40 000 Einwohner und fünfzig Neonazis«, sagt er. »Da ist natürlich jeder Rechte einer zu viel.« Unumwunden gibt er zu, dass ihn diese Situation kalt erwischt hat. Angetreten ist er zur Bürgermeisterwahl 2015, ein Bürgerbündnis plus SPD und Linken hatten ihn aufgestellt, mit der klaren Ansage, dass eine Politik gegen Flüchtlinge mit ihm nicht zu machen sei. »Die große Mehrheit der Bautzner hat mich mit dieser Einstellung gewählt«, sagt er. Drei Jahre sei die Flüchtlingsaufnahme hier vorbildlich gewesen – und nun das.

Inzwischen sei die Stadt mit ihrer mittelalterlichen Kulisse eine Art Bühne geworden für Nazis aus ganz Deutschland. Viel zu lange sei den geistigen Brandstiftern nichts entgegengesetzt worden. Aber das sei natürlich weitaus nicht alles.

Und darum ist ihm wohl auch bei der ARD-Talkshow von Anne Will der Kragen geplatzt. Ihm sei es egal, ob es die jungen Flüchtlinge waren oder die rechten Jugendlichen, die bei einem der jüngsten Vorfälle zuerst die Flaschen geschmissen haben, hat er da gesagt. 16-jährige Jungs seien so oder so schwierig, egal welcher Nationalität. Im Übrigen koste es viel Zeit und Geld, Jugendliche davon abzuhalten, rechtsextrem zu werden. Dieses Geld aber fehle schli

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