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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Wer trägt Schuld am Terror von Paris?

von Michael Schrom vom 04.12.2015
Nach den Anschlägen sehen einige Soziologen die Religion als Teil des Problems, andere kritisieren den Kapitalismus als »Religionsersatz«

Warum? Immer wieder dieselbe Frage. Warum begeistern sich junge Menschen für eine Terrororganisation mit religiösen Allmachtsfanta sien? Warum »opfern« sie ihr Leben, werfen es weg und spielen sich im selben Moment moralisch als absolute Herren über Leben und Tod auf?

Die soziologischen und theologischen Analysen überschlagen sich und belegen in ihren unterschiedlichen Ergebnissen vor allem Ratlosigkeit. Dennoch ist ein spannender Diskurs in Gang gekommen. Grob vereinfacht gesagt, geht es darum, ob Religion ein wesentlicher Teil des Problems ist, sodass man alles daransetzen muss, sie zu marginalisieren oder wenigstens zu »entschärfen«. Oder ob es genau andersherum ist: Ob also die Religion einen wirksamen Beitrag zur Lösung leisten kann, weil sie auf blinde Flecken und die Schattenseiten eines von Religion und Glaube weitgehend »gereinigten« kapitalistischen Welt- und Gesellschaftsverständnisses aufmerksam macht.

Der Ausgang dieses Diskurses ist offen, wird aber große gesellschaftliche und politische Folgen haben, je nachdem, welches Erklärmodell sich durchsetzt und der Mehrheit als plausibel erscheint.

Die in Jerusalem lehrende französisch-israelische Soziologin Eva Illouz hält den religiös aufgeladenen Terror für weitaus gefährlicher als den politisch motivierten. Zwar sei die Ermordung von Zivilisten immer ein Schock, doch »kultureller Terror« löse ein weitaus größeres Ohnmachtsgefühl aus. »Glaubenseifer, vor allem in seiner selbstmörderischen Version, ist nichts, was der Westen noch nachvollziehen kann.« Sobald sich ein politischer Konflikt in einen religiösen verwandele, drohe er unlösbar zu werden, meint Eva Illouz in der »Zeit«. Das, was in Israel und Palästina bereits passiert ist, geschehe jetzt in Europa. Der »Sicherheitsfetischismus«, der damit befördert werde, sei »tragischerweise ein Sieg für den Terror, weil er auf lange Sicht die demokratischen Werte aushöhlt, die die Terroristen verhöhnen, und den Aufstieg autoritärer Regime erleichtert«.

Wie aber kommt es, dass Jugendliche, die vor ihrer »Bekehrung« Genuss, Konsum, Individualismus und Freiheit keineswegs ablehnend gegenüberstanden, einen solchen Hass auf die Gesellschaft entwickeln, in der sie selbst groß geworden sind? Diese Frage treibt den Psychologen Ahmad Mansour um. Er sieht zwei gefährdete Gruppen: Jugendliche aus sehr patriarchalischen Familien, die mit einem Gott

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