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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2015
Mission Weltrettung
Was die Religionen zum Klimaschutz beitragen können
Der Inhalt:

Mission Welt rettung

von Anne Strotmann, Hermann-Josef Frisch vom 04.12.2015
Umweltschutz ist eine globale Menschheits aufgabe. Es reicht nicht aus, nur auf technische Lösungen zu setzen. Haltung und Gesinnung werden auch durch Religionen geprägt. So stellt sich die Frage: Was können diese zum Klimaschutz beitragen?

Angesichts des Klimawandels stehen alle Länder vor extremen Herausforderungen. Die Politik allein ist jedoch überfordert, wenn nicht maßgebliche gesellschaftliche Gruppen mittun. Können die Religionen einen Beitrag dazu leisten - oder sind sie sogar hinderlich?

Saudi-Arabien zum Beispiel behauptet von sich, ein besonders frommes islamisches Land zu sein. Zugleich verdankt das Land seinen Reichtum dem Export von Öl und Gas. Wofür wird er eingesetzt, jenseits einer aggressiven wahhabitischen Islam-Mission? Im christlichen Kulturkreis sind ähnliche kritische Fragen zu stellen. Weite Teile der frommen christlichen Bevölkerung in den Südstaaten der USA bestreiten jeden Klimawandel. Und in Asien stehen die Zeichen eher auf Wachstum als auf religiöse Rückbesinnung.

Alle großen Weltreligionen sind in Zeiten entstanden, in denen es den Menschen nicht um Umweltschutz, sondern um einen Kampf gegen die als bedrohlich erlebte Natur ging. Deshalb erstaunt es nicht, dass sich in den Quelltexten der Religionen (Hebräische Bibel, Neues Testament, Koran, Bhagawadgita ...) keine Aussagen zum Umweltschutz finden. Zu beachten ist auch, dass Religionen nie in Reinform vorhanden sind: Die »Theorie« ist oft etwas anderes als die »Praxis« der Volksreligiosität.

Doch wer daher die Religionen in Umweltschutzfragen prinzipiell für unbedeutend hält, verkennt, dass sie in ihren Gesellschaften eine prägende Kraft haben. Daher stellt sich mit Blick auf die sechs größten Religionen die Frage: Welche Ressourcen in Botschaft und Lehre können für die drängenden Fragen des Umweltschutzes genutzt werden?

Judentum: Weltverbesserung durch Tat

Dass der Mensch als letztes Lebewesen erschaffen wurde, ist kein Grund für Überheblichkeit, kommentieren gleich vier Rabbiner im Talmud. Der Mensch ist nur Gast in der Welt, die Gott geschaffen hat. Ein Gast darf sich nicht danebenbenehmen, indem er etwa die Möbel des Gastgebers kurz und klein schlägt, seine Tiere tötet und den anderen Gästen alles wegisst, erklärt Jeremy Benstein vom Heschel Center for Environmental Learning & Leadership in Tel Aviv. Der Mensch hat nach Genesis 2 die Aufgabe, den Garten »zu bearbeiten und zu behüten«. Der Zuspruch Gottes ist gleichzeitig Anspruch. Die Thora enthält zahlreiche Gesetze, die das Verantwortungsbewusstsein gegenüber der nichtm

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