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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Kirchenland in Bauernhand

von Bettina Röder vom 06.12.2013
Mitteldeutsche Kirche: Warum erhalten Biobauern nicht bevorzugt Land? Fragen an den Präses der Synode, Steffen Herbst

Publik-Forum: Herr Herbst, vor dem Kirchenparlament in Erfurt haben junge Bäuerinnen und Bauern demonstriert. Sie kritisieren, dass kleine und mittlere bäuerliche Betriebe, die ökologisch wirtschaften, wie auch Neueinsteiger bei der Pachtvergabe der Kirche das Nachsehen haben. Was ist nun dran?

Steffen Herbst: Zunächst: Wir fühlen uns sehr gut in unserer Landeskirche, dass wir klare Kriterien haben, nach denen wir Land vergeben. Das ist in der EKD weithin nicht üblich.

Wie läuft dann die Vergabe?

Herbst: Wir haben ein sogenanntes Punktesystem, das wir auf der Synode vor einem Jahr noch mal verfeinert haben: wir legen besonderen Wert auf Umweltschutz, Nachhaltigkeit, gentechnikfreies Saatgut, auf sämtliche uns wichtigen ökologischen Kriterien. Das gilt für alle: die kleinen Betriebe wie die großen.

Wofür gibt es genau Punkte?

Herbst: Unsere Aufgabe ist es, mit dem Kirchenland, das uns anvertraut ist, haushalterisch auch vernünftig umzugehen. Das heißt, das gebotene Pachtgeld muss eine Rolle spielen. Das sage ich ganz ehrlich. Andere Kriterien sind aber gleichwertig.

Welche?

Herbst: Die regionale Herkunft wird besonders bepunktet und die Kirchenmitgliedschaft. Zwei Dinge, wo kleine Betriebe klar einen Vorteil haben. Bei kleinen Unternehmen im ländlichen Bereich in Mitteldeutschland gehören mehr als fünfzig Prozent der Besitzer zur Kirche. Mit diesen Kriterien haben große Investoren, aus den Niederlanden etwa, wenig Chancen.

Genau das sagen die kleinen und mittleren Biobauern auch. Warum gibt es für eine biologische Produktion keine Punkte?

Herbst: Ich habe die Demonstranten vor der Synode zu einem Gespräch eingeladen. Dort hat sich gezeigt, dass der Begriff ökologischer Landbau sehr unterschiedlich definiert wird. Das Zertifikat alleine muss es nicht sein. Auch konventionelle Betriebe können nachhaltig wirtschaften mit Sorgfalt für Boden, Wasser und Tier. Wir haben uns verständigt, dass wir weiter darüber sprechen.

Letztendlich fehlen ja EKD-weit einheitliche Kriterien bei der Pachtvergabe im Blick auf ökologisches Wirtschaften. Müsste da die Kirche nicht Zeichen setzen?

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