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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
Der Inhalt:

Die Frühaufsteher

von Frank Stier vom 06.12.2013
Bulgarische Studenten erheben sich gegen die Regierung. Sie wollen Neuwahlen. Sie nutzen ungewöhnliche Protestformen – und könnten damit Erfolg haben

Junge Bulgaren marschieren im Stechschritt über den Boulevard Rakovski in der Hauptstadt Sofia. Sie legen sich mitten auf Straßenkreuzungen auf den Asphalt und formen zusammen das Wort »Ostawka« – Rücktritt. Die Happenings der Studenten der Nationalen Akademie für Theater- und Filmkunst (Natfis) stellen Sofias Autofahrer im morgendlichen Berufsverkehr vor schwere Geduldsproben.

Seit einem Monat gehen Bulgariens Studenten nun schon auf die Straße, die Natfis-Aktivisten bilden die kreative Speerspitze der Proteste. Zunächst hatten Studenten der Sofioter Universität Kliment Ochridski Hörsäle besetzt, inzwischen streiken Studenten im ganzen Land. Ihre einzige Forderung: Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Plamen Orescharski.

Ein solches Protestjahr hat Bulgarien seit den frühen 1990er-Jahren nicht mehr erlebt. Nachdem Massenproteste gegen hohe Stromrechnungen im Februar das rechtsgerichtete Kabinett Boiko Borissov aus dem Amt gezwungen hatten, ergaben vorgezogene Neuwahlen im Mai ein politisches Patt in der bulgarischen Nationalversammlung. Nur mit Duldung der nationalistischen Partei Ataka konnte die von Orescharski geführte Koalitionsregierung aus Bulgarischer Sozialistischer Partei (BSP) und der Bewegung für Rechte und Freiheiten (DPS) der bulgarischen Türken gewählt werden. Nach nur zwei Wochen im Amt handelte sich Regierungschef Orescharski Mitte Juni den Volkszorn ein, als er den DPS-Abgeordneten und umstrittenen Medienmagnaten Deljan Peevski zum Chef der Staatlichen Agentur für Nationale Sicherheit (DANS) bestimmte.

»Ranobudnite Studenti«, bulgarisch: die »frühaufstehenden« oder »sich früh erhebenden« Studenten, nennen Bulgariens revoltierende Nachwuchsakademiker ihre Protestbewegung. Selbstironisch spielen sie damit darauf an, dass sie sich den Protesten erst nach vier Monaten angeschlossen haben. »Wo sind die bulgarischen Studenten?«, hatte deshalb die prominente Journalistin Tatjana Waksberg in einem Artikel für die bulgarische Redaktion der Deutschen Welle gefragt.

»Unsere Besetzungsaktion ist keine Reaktion auf Waksbergs Artikel«, sagt Manol Glischev, »es ist unsere Antwo

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