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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2012
Das Christentum
Was wird, was bleibt?
Der Inhalt:

Am Ende des Regenbogens

von Thomas Seiterich vom 07.12.2012
Südafrika: Die Sieger über das Apartheid-System regieren schlecht. Doch die ehedem Solidaritätsbewegten bleiben stumm

Die politischen Nachrichten aus der Republik Südafrika sind heutzutage zumeist kurz, und sie handeln stets von demselben: von brutaler Gewalt. Immer wieder werden die Forderungen ausgebeuteter schwarzer Arbeiter nach gerechterem Lohn und humaneren Arbeitsbedingungen mit Brutalität beantwortet. Der Massenmord an 34 Arbeitern des Platin-Bergwerks Lonmin in Marika im August, als erstmals staatliche Kräfte und die Polizei als Todesschützen in Erscheinung traten, bildet die Spitze eines Berges von Morden, Ungerechtigkeit und Gewalt. Weil die drängenden Gerechtigkeitsfragen in zwei Jahrzehnten Herrschaft der schwarzen Regierungspartei ANC nicht angegangen wurden, wächst der Frust.

Sang- und klanglos geht ein Land langsam unter, das in den 1980er- und 1990er-Jahren einmal als die »Rainbow«-Nation einen festen Platz in den Herzen und Träumen von solidaritätsbewegten Bürgern im Westen hatte. Keine andere länderbezogene Solidaritätsbewegung erfasste in den evangelischen und katholischen Kirchen Deutschlands und der Schweiz ähnlich weite Kreise wie die 1974 gegründete Anti-Apartheid-Bewegung. Flüge wie auch Früchte aus dem rassistischen Südafrika wurden eifrig boykottiert. Mit Erfolg. Gefühlte zehntausend Gottesdienste fanden statt mit den melodischen Liedern aus Südafrika. Und auf manchem Theologentreffen wurde »Nkosi Sikelele Africa« angestimmt, die Hymne der breiten Bewegung, die gegen die weiße Apartheid-Herrschaft kämpfte.

Alles vorüber. Die große Solidaritätsbewegung ist Vergangenheit. Und Südafrika quält sich nach dem Rausch der Siegesjahre seiner relativ gewaltfreien Revolution mit den »Mühen der Ebene«. Zwar hat eine kleine farbige Minderheit von der Revolution profitiert. Doch für die im Elend lebende schwarze Bevölkerungsmehrheit gibt es die vielbeschworene Gerechtigkeit nicht. Eine Landreform, die diesen Namen verdiente, lässt auf sich warten. Statt Meinungsfreiheit gibt es neuerdings ein repressives Presse- und Mediengesetz. Gewiss, das blutigste Jahrzehnt der Apartheid, als 1984 bis 1994 die weißen Krieger in den Ländern des südlichen Afrikas rund eine Million Menschen töteten und als Millionen Menschen vertrieben wurden, kommt nicht wieder. Aber staatliche, private und kriminelle Gewalt prägt das Leben in den Townships weiter. Sie fordert viele Menschenleben und zerstört die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

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