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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Das Leib-und-Seele-Gespräch: »Wut bringt nichts«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 23.11.2018
Ali Can hat die #MeTwo-Debatte angestoßen, eine »Hotline für besorgte Bürger« eingerichtet und ist bereit, auch mit Leuten zu sprechen, die ihn ablehnen. Ein Gespräch über Ausgrenzung, Identität und Menschlichkeit

Publik-Forum: Herr Can, Sie sind als Migrant nach Sachsen gefahren, haben auf Pegida-Demos und in Wirtshäusern mit Rechtspopulisten diskutiert und eine »Hotline für besorgte Bürger« eingerichtet. Warum machen Sie das?

Ali Can: Weil ich nicht glaube, dass sich die Beweggründe von Rechtskonservativen klären lassen, wenn man nicht mit ihnen redet. Vielmehr wird sich die Lage sonst zuspitzen, dann begeben sie sich dorthin, wo ihr Frust sich richtig breitmachen kann. Deshalb habe ich beschlossen, diese aufgebrachten Menschen zu treffen, um wenigstens miteinander und nicht übereinander zu sprechen.

Was haben Sie dabei erfahren?

Can: Es waren sehr unterschiedliche Begegnungen, und ich glaube, wir müssen da sauber unterscheiden. Leute, die wie in Chemnitz Hetzjagden veranstalten und den Hitlergruß zeigen, müssen natürlich verurteilt werden. Bei Pegida habe ich aber auch mit Menschen gesprochen, die sich tatsächlich Sorgen über die Einwanderung von vielen fremdkulturellen Menschen machen. Sie fragen sich, wie man Menschen integrieren kann, die ganz anders sozialisiert sind, die zum Beispiel ein anderes Mann-Frau-Bild haben. Diese Sorgen sind ja nicht ganz unbegründet. Wer bei solchen Bürgern eine wertschätzende Haltung gegenüber Migranten anstoßen möchte, muss ihnen erst mal selbst mit Wertschätzung begegnen – ohne sie gleich umstimmen zu wollen. Wichtig ist doch, die Neugierde aneinander nicht zu verlieren.

Das klingt nobel. Aber wie oft ist es schon vorgekommen, dass Sie als Ansprechpartner bei Ihrer »Hotline für besorgte Bürger« den Hörer aufgelegt haben?

Can: Einmal hat mich jemand so beleidigt, dass es kein Gespräch mehr war. Da hab ich tatsächlich aufgelegt. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, sehen Flüchtlinge zwar kritisch, waren aber offen für ein Gespräch. Nur bei jenen, die mir mein Existenzrecht absprechen, die mich gewalttätig umlegen wollen, wird es dann schwierig.

Sie sprechen von einer »Haltung der Mitmenschlichkeit«, die Sie sich angeeignet haben. Wie kamen Sie dazu?

Can (überlegt lange): Ich habe das Gefühl, dass es das Einzige ist, was uns bei den Schwierigkeiten des Zusammenlebens hilft. Wir alle kennen Groll, Missgunst,

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