Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

»Totale Kontrolle«

von Bettina Röder vom 23.11.2018
Für die Christen in China verschärft sich die Situation. Pfarrer Werner Krätschell war dort zu Besuch

Publik-Forum: Herr Krätschell, wie haben Sie als Geistlicher China erlebt?

Werner Krätschell: Es war sehr schwer, ein Visum zu bekommen. Denn sobald »Geistlicher« auf dem Antrag steht, gehen bei den Behörden rote Lampen an. Vieles hat mich an die DDR erinnert. Aber es war alles viel schärfer. Ich hatte ständig den Eindruck, bewacht zu sein. Bei den Gesprächen ist mir besonders die Situation der Hauskirchen nahegegangen.

Inwiefern?

Krätschell: Die Hauskirchen sind ja bekanntlich Gesprächskreise, die die Bibel lesen und sich austauschen. Diese Form des Kirche-Seins ist für viele Chinesen sehr attraktiv. Die Hauskirchen wachsen rasant. Sie machen fünfzig bis sechzig Prozent der Christen aus. Zwei Drittel von ihnen sind politisch nicht interessiert, aber für den Staat trotzdem eine Gefahr, weil da möglicherweise unabhängiges Denken gefördert wird. Ein Drittel ist politisch engagiert, hat aber den Schock vom Juni 1989 in den Knochen und ist darum sehr ängstlich. Sie alle werden vom Staat als besonders gefährlich eingestuft. Seit Februar werden die Daumenschrauben angezogen. Versammlungen von bis zu zwanzig Menschen konnte man vor Ort vorher noch als privates Treffen ansehen, jetzt geht das nicht mehr. Der Staat will alle religiösen Bewegungen kontrollieren und registrieren.

Was motiviert diese Menschen, sich trotzdem als Christen zu bekennen und in die Gesellschaft hineinzuwirken?

Krätschell: Ein chinesischer Pfarrer hat mir das an drei für ihn wichtigen Gebetsanliegen deutlich gemacht. Er hat gesagt, erstens würde er für die Veränderung der Herzen der Machthaber beten, zweitens für das chinesische Volk, dass seine Sehnsucht nach tieferem Lebenssinn erfüllt werden kann. Und drittens die Bitte an den Herrn der Ernte, dass er seine Arbeiter sende – das heißt, gute Missionare und Pfarrer.

Gibt es auch christlich motivierte Friedens-und Umweltgruppen?

Krätschell: Das ist nicht möglich. Nehmen Sie nur das Beispiel des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiabo. Das zeigt, wohin politisches Engagement in China führt, egal ob es religiös motiviert ist oder nicht.

Wo sehen Sie spannende Entwicklungen?

Krätschell: Die Ju

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen