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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

»Totale Kontrolle«

Für die Christen in China verschärft sich die Situation. Pfarrer Werner Krätschell war dort zu Besuch

Publik-Forum: Herr Krätschell, wie haben Sie als Geistlicher China erlebt?

Werner Krätschell: Es war sehr schwer, ein Visum zu bekommen. Denn sobald »Geistlicher« auf dem Antrag steht, gehen bei den Behörden rote Lampen an. Vieles hat mich an die DDR erinnert. Aber es war alles viel schärfer. Ich hatte ständig den Eindruck, bewacht zu sein. Bei den Gesprächen ist mir besonders die Situation der Hauskirchen nahegegangen.

Inwiefern?

Krätschell: Die Hauskirchen sind ja bekanntlich Gesprächskreise, die die Bibel lesen und sich austauschen. Diese Form des Kirche-Seins ist für viele Chinesen sehr attraktiv. Die Hauskirchen wachsen rasant. Sie machen fünfzig bis sechzig Prozent der Christen aus. Zwei Drittel von ihnen sind politisch nicht interessiert, aber für den Staat trotzdem eine Gefahr, weil da möglicherweise unabhängiges Denken gefördert wird. Ein Drittel ist politisch engagiert, hat aber den Schock vom Juni 1989 in den Knochen und ist darum sehr ängstlich. Sie alle werden vom Staat als besonders gefährlich eingestuft. Seit Februar werden die Daumenschrauben angezogen. Versammlungen von bis zu zwanzig Menschen konnte man vor Ort vorher noch als privates Treffen ansehen, jetzt geht das nicht mehr. Der Staat will alle religiösen Bewegungen kontrollieren und registrieren.

Was motiviert diese Menschen, sich trotzdem als Christen zu bekennen und in die Gesellschaft hineinzuwirken?

Krätschell: Ein chinesischer Pfarrer hat mir das an drei für ihn wichtigen Gebetsanliegen deutlich gemacht. Er hat gesagt, erstens würde er für die Veränderung der Herzen der