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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Naturschutz nicht nur predigen

von Gunhild Seyfert vom 23.11.2018
Immer mehr Kirchengemeinden, die Land an Bauern verpachten, erwarten von ihnen ökologisches Handeln. Das macht Kirche glaubwürdig, bedeutet aber auch Ärger. Wie gelingt der Dialog?

Wie man spricht, so soll man auch handeln. Glaubwürdigkeit ist ein hoher Wert besonders für die Kirchen von heute. Aber wie überzeugend ist kirchliches Handeln, wenn man auf die Wiesen und Felder blickt, die den Kirchen gehören? Kirchengemeinden und Bistümer besitzen Land, das durch Verpachtung Geld in die Kirchenkasse bringt. Jetzt werden Forderungen laut: Über die Bewahrung der Schöpfung solle man nicht nur predigen, sondern auf den eigenen Wiesen und Feldern dafür sorgen. Auf Kirchenland solle ökologisch gewirtschaftet werden. Die Kirchen begeben sich damit mitten hinein in Konflikte um knappes Ackerland, Landwirtschaft und Naturschutz. Der Friede im Dorf ist in Gefahr.

Land und Landwirtschaft gehören traditionell zur Kirche. Die sogenannten »Pfarrpfründe«, einige Hektar Land in der Nähe des Pfarrhauses, bewirtschaftete man früher selbst. Als es noch keine Besoldung gab, war dieser Ertrag des Pfarrers Lohn. Dazu kamen Erbschaften und Stiftungen, die den kirchlichen Landbesitz vermehrten. Heute gehören in Deutschland der katholischen Kirche 200 000 Hektar, der evangelischen Kirche 300 000 Hektar Wiesen, Wald und Felder. Das sind drei Prozent der landwirtschaftlichen Flächen, die in Deutschland bewirtschaftet werden. Zumindest darauf könnte man doch wirksam handeln für die Bewahrung der Schöpfung und ihrer natürlichen Vielfalt, oder? Leichter gesagt, als getan.

»Hand aufs Herz: Welchen Stellenwert haben Land und Biodiversität bei der Kirche?« Diese direkte Frage stellte sich bei einer Tagung an der Evangelischen Akademie Loccum. Unter dem Titel »Land Wert-Schätzen – Verantwortung von Kirchengemeinden im Umgang mit Kirchenland« informierten und diskutierten Akteure aus Kirche, Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft. »Es ist noch Luft nach oben, reichlich Luft …« So selbstkritisch beantwortet Adalbert Schmidt, Oberlandeskirchenrat in der Hannoverschen Landeskirche und Vorsitzender der Grundstückskommission der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die Frage, wie wichtig Naturschutz für die Kirche in der Praxis eigentlich ist. Ein »ökologischer Spinner« sei die Kirche – diesen Vorwurf höre er von Landwirtschaftsverbänden immer wieder, sagt Schmidt. Aber er sagte deutlich: Als Christ sei man gerufen zu handeln.

Der Friede im Dorf ist in Gefahr

Handeln müssen die Kirchenvorstände. Das Kirchenland ge

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