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kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Streitfragenzur Zukunft: Brauchen Kinder Religion?

Nein. Werte lassen sich auch anders vermitteln und begründen Diejenigen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, neigen dazu, andere zu diskriminieren

Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben: Nein! Vor allem dann, wenn Kirchen, Glaubens- oder Weltanschauungsgemeinschaften daraus das Recht für die Missionierung/Belehrung/Beschulung von allen Kindern ableiten beziehungsweise ihre Lehren allen Kindern als vermeintlich letzte Wahrheiten unterbreiten zu dürfen. Häufig hört man in diesem Zusammenhang die Formulierung: »Das Kind sollte das Angebot kennenlernen dürfen.«

Alle Gemeinschaften brauchen Nachwuchs. Wenn sie keinen finden, droht ihnen das Aus. Das ist ein starkes Motiv für ein »Überlieferungsbedürfnis«. Letztendlich dient das auch dem Erhalt von Überzeugungen und Wertekanons. Hinzu kommt, dass diejenigen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen, oft dazu neigen, das eigene Denken als so positiv und heilsbringend zu bewerten, dass sie gar nicht bemerken, dass man diese Dinge genauso gut auch anders sehen und beurteilen kann.

Was genau ist denn mit Religion gemeint? Brauchen Kinder das Christentum? Oder das Judentum? Brauchen sie den Islam oder den Buddhismus? Brauchen sie eine monotheistische oder eine polytheistische Religion? Und wer darf das entscheiden?

Die oben genannte Frage pauschal mit Ja zu beantworten setzt voraus, dass man sich für eine Glaubensvorstellung und Weltanschauung entscheidet, denn sie widersprechen sich bekanntlich, zumindest teilweise. Man muss also den absoluten Wahrheitsanspruch einer dieser Gruppierungen akzeptieren und damit das Recht verknüpfen, die eigenen Überzeugungen anderen überstülpen zu dürfen. Das ist in Zeiten zunehmender Pluralisierung nur möglich, wenn man einer dieser Vorstellungen mehr Rechte zusprechen möchte als anderen.