Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2018
Gott, mein Therapeut
Religion stärkt. Aber warum?
Der Inhalt:

Liebesgeschichte in der Wüste

Roman. »Die Wolkenfrauen« heißt das neue Buch von Doris Cramer. Auch wenn der Titel nach einer seicht dahinplätschernden, austauschbaren Romanze klingt: Die Lektüre lohnt sich. Erzählt wird die Geschichte einer jungen Frau, die nach dem Tod ihrer Mutter nach Marokko reist – und dort hineingezogen wird in den Freiheitskampf des sahraouischen Volkes. Doro verliebt sich in Amir, der diesem Berbervolk angehört, und dann ist da noch das Geheimnis ihrer Mutter und Großmutter, das sie zu erkunden sucht ...

Der Roman verhandelt die Geschichte von drei Frauen in verschiedenen Zeiten, wobei die Zusammenhänge bisweilen arg konstruiert erscheinen. Die Leserinnen werden in ein Lebensborn-Heim in Nazideutschland mitgenommen, aber auch in eine marokkanische Dorfschule. Die Liebesgeschichte zwischen Doro und Amir droht schon fast ins Kitschige abzurutschen, doch dann wird sie von der Realität eingeholt: von den unterschiedlichen Kulturen, dem gegenseitigen Unverständnis, das damit einhergeht, und dem politischen Kampf, dem Amir sich verschrieben hat.

Dass die Autorin die in Deutschland nahezu unbekannte Geschichte der Sahraouis erzählt, deren Land seit Jahrzehnten von Marokko besetzt wird und die zum größten Teil in Flüchtlingslagern in Algerien leben, macht dieses Buch so besonders. Hilfreich sind dabei auch die Sachinformationen im Anhang. Fazit: Obwohl der Roman stellenweise vorhersehbar ist, ist er durchaus lesenswert – schon allein aufgrund der detaillierten Beschreibungen Marokkos, vom pulsierenden Leben in den Straßen Agadirs bis zur Weite der Wüste. Im Idealfall bleibt über die spannende Unterhaltung hinaus etwas zurück: das Nachdenken über das verg