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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

Ist das nicht nur was für Mönche?

von Eva-Maria Lerch vom 20.11.2015
Vorgespräch: Der evangelische Pfarrer Weking Weltzer übt mit Laien Gregorianik

Publik-Forum: Herr Weltzer, Anfang Dezember laden Sie wieder Laien zum gregorianischen Singen ein. Warum?

Weking Weltzer: Gregorianik ist wunderschön und einfach zugleich. Durch die alten Psalmengesänge können Menschen eine tiefe Spiritualität in sich entdecken – und zwar jenseits religiöser Dogmen. Der Glaube passiert ganz einfach beim Singen.

Gregorianik ist uralt und klingt für moderne Ohren monoton. Ist das nicht langweilig?

Weltzer: Vordergründig ja. Es ist eine alte spirituelle Weisheit, dass gerade das Einfache, die stete Wiederholung in die Tiefe führt.

Wie erleben die Teilnehmer das?

Weltzer: Ich höre häufig, dass sie sich befreit fühlen. Dass sie beim Singen zur Ruhe kommen, dass bestimmte Verse sie erfüllen – und dann mit in den Alltag gehen.

Sie sind evangelischer Pfarrer. Ist Gregorianik nicht eher was für Mönche?

Weltzer: Gregorianik ist weder katholisch noch evangelisch, sie stammt aus dem Früh- und Hochmittelalter, als es noch keine Konfessionen gab. Wir Protestanten leiden ja häufig darunter, dass unsere religiöse Praxis emotional und künstlerisch unterentwickelt ist. In den Psalmen finden wir eine Sprache für unsere Emotionen, für Sehnsucht und Angst, Verzweiflung und Vertrauen.

Die Gesänge sind 1500 Jahre alt. Weiß man, wie sie ursprünglich gesungen wurden?

Weltzer: Ja, denn die Klöster haben diese Tradition aufrechterhalten – wenn auch zuweilen mit Zugeständnissen an den Zeitgeist. In der Romantik etwa hat man sich ein paar Koloraturen erlaubt und sich von den Ursprüngen entfernt. Aber die alten Handschriften dokumentieren die ursprüngliche Einfachheit dieser Lieder.

Sie sprechen von der Mystik der Gregorianik. Was ist das Mystische an dieser Musik?

Weltzer: Mystik bezeichnet eine Glaubenserfahrung, die nicht durch Belehrung von außen, sondern durch eigenes Erleben geschieht. Psalmworte wie »Fürchte dich nicht, ich bin ja bei dir«, gehen direkt ins Ohr, ins Leibgedächtnis über und werden zur Erfahrung.

Ist das Singen schwer zu lernen?

Weltzer: Nei

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