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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

»Das ist der Anfang vom Ende des IS«

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 20.11.2015
Nahost-Experte Rachid Ouaissa: Durch die Anschläge in Paris wird Bewegung in den syrischen Bürgerkrieg kommen

Publik-Forum: Was folgt aus den Terroranschlägen in Paris für Syrien?

Rachid Ouaissa: Das ist der Anfang vom Ende für den IS. Das Beispiel Al Qaidas macht das deutlich: Sie haben jahrelang agiert, bevor sie die USA angegriffen haben – aber nach dem 11. September ging es bergab. Wenn Terrorgruppen Armeen herausfordern, bedeutet das für sie das Ende. Denn massives Bombardement demoralisiert nicht zuletzt die Klientel des IS.

Sie rechnen also damit, dass Frankreich seine Luftschläge in Syrien ausweiten wird?

Ouaissa: Davon bin ich überzeugt. Alles andere wäre in den Augen der westlichen Bevölkerung nicht nachvollziehbar. Nicht zu vergessen ist es für François Hollande jetzt wichtig, den starken Mann zu spielen, wie es einst George W. Bush tat. In Frankreich ist bald wieder Wahlkampf …

Aber lässt sich durch noch mehr Bomben der Terror eindämmen?

Ouaissa: Selbstverständlich nicht für sich genommen. Bomben helfen nur, das IS-Arsenal zu zerschlagen, müssen aber von einem politischen Prozess begleitet werden. Und wir sollten uns im Klaren darüber sein: Auch wenn der IS möglicherweise massive Verluste hinzunehmen hat, werden wir Anschläge von einzelnen Fanatikern auch in Europa langfristig nie ganz verhindern können.

Eine politische Lösung für Syrien finden: Das versucht die Welt doch schon lange. Warum sollte das gerade jetzt gelingen?

Ouaissa: Weil die Bedrohung für Europa jetzt ernster geworden ist. Sowohl Russland als auch Frankreich wurden Opfer von Terroranschlägen. Deshalb glaube ich, dass nun beide Seiten eher gewillt sind, aufeinander zuzugehen und Kompromisse zu finden. Auch der Iran und die Nachbarländer Syriens müssen stärker einbezogen werden. Syrien ist zu einem geostrategischen Spielball geworden, viele externe Akteure haben ihre Finger im Spiel. Sie alle müssen endlich an einem Tisch sitzen.

Werden die USA und Frankreich ihren Kurs nun ändern und Baschar al-Assad als »kleineres Übel« unterstützen?

Ouaissa: Ich hoffe nicht. Assad ist keinesfalls das kleinere Übel, sein Terror ist dem des IS gleichzusetzen. Massen von Flüchtlingen sind wegen Assad hier! Und deshalb darf der Terror des syrischen

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