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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2015
Der Inhalt:

Aus Liebe zum Leben

von Andrea Teupke vom 20.11.2015
Trauer, Entsetzen und Solidarität: Nach den schrecklichen Anschlägen sind wir alle Paris. Aber was folgt daraus weiter?

Blau, weiß, rot: So sieht Trauer aus. Gestern leuchtete das Brandenburger Tor in den Farben der französischen Fahne, genau wie die Oper in Sydney, das Riesenrad London Eye oder die Stadtmauer von Jerusalem. Heute liegen vor den französischen Botschaften in vielen Städten Blumen und Karten, häufig verziert mit der Trikolore. Menschen färben ihre Profilbilder bei Facebook blauweißrot ein oder verschicken ihre Twittermeldungen mit einem als Friedenszeichen stilisierten Eiffelturm.

Die mörderischen Anschläge in Paris haben weltweit Mitgefühl und Entsetzen ausgelöst. Am schnellsten hat die Twitter-Gemeinde reagiert: Noch in derselben Nacht bekam die Trauer dort Namen wie #NousSommesUnis (»Wir sind vereint«) oder #PrayForParis (»Bete für Paris«). Und es gab auch bewegende Gesten: Unter dem Hashtag #PorteOuverte (»Offene Tür«) luden die Pariser wildfremde Menschen in ihre Wohnungen ein, die wegen des nächtlichen Ausnahmezustandes auf der Straße zu stranden drohten.

Die Welt, in Trauer vereint? Die Welle der Solidarität mit Paris ist bewegend – und berechtigt. Zwar hat der sogenannte Islamische Staat seinen Terror-Angriff damit begründet, dass Frankreich sich in Syrien militärisch engagiert. Doch gemeint waren wir alle, unsere Werte ebenso wie unser Lebensstil. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit: Das sind mehr als nur die Schlagworte der Französischen Revolution, kürzer lässt sich der Wertekanon des Westens nicht zusammenfassen.

Mit geradezu teuflischer Präzision haben die Mörder ein Ziel gewählt, das wie kaum ein anderes als Symbol für die westliche Kultur steht: Paris, die Stadt der Liebe, ist zugleich der Sitz einer der ältesten Universitäten der Welt. Paris steht für Aufklärung wie für Lebenskunst, für Mode wie für Kultur, für Geist wie für Genuss, kurzum, für alles, was den kruden Ideologen des IS zuwider ist.

»Paris, die Hauptstadt der Unzucht und des Lasters«, heißt es in ihrem Bekennerschreiben. »Unzucht und Laster«: Damit sind Freizügigkeit, Toleranz, Lebensfreude gemeint. Ließ sich im Januar, nach dem Massaker an der Redakteuren von Charlie Hebdo, eventuell noch darüber diskutieren, ob »Je suis Charlie« wirklich der richtige Slogan war, ob man sich tatsächlich auch mi

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