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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Ich bleib noch ein bisschen bei dir

von Anne Lemhöfer vom 04.05.2012
Abschied nehmen dauert. Manchmal mehrere Tage. Im Frankfurter Bestattungshaus haben Trauernde alle Zeit der Welt
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Im Abschiedsraum hängt keine Uhr. Wer will, kann sich über Nacht den Schlüssel zum Bestattungshaus von Sabine Kistner und Nikolette Scheidler geben lassen. Kann die ganze Nacht sitzen bleiben bei dem, der gestorben ist. In einem Schaukelstuhl, auf einem Sofa, auf dem Boden. Eine Hand halten, die kalt ist. Oder einfach schauen, denken, weinen. Manche trinken ein Glas Rotwein, während sie da sitzen, oder sie essen Pizza vom Bringdienst. Andere essen nicht und trinken nicht. Alle eint eine Fassungslosigkeit, die lange nicht weichen will. Zeitdruck und Trauer passen nicht gut zusammen. Viele wissen gar nicht, dass man Tote laut Gesetz 36 Stunden zu Hause behalten darf. Bei entsprechender Kühlung bleiben, je nach kommunaler Friedhofsverordnung, sogar bis zu zehn Tage Zeit bis zur Beerdigung oder Einäscherung.