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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Brot für die Seele

von Norbert Copray vom 04.05.2012
Wie man mit Rilke-Gedichten die Welt neu sehen lernen kann

Otto Betz Weiter als die letzte Ferne Mit Rainer Maria Rilke die Welt meditieren. Patmos. 208 Seiten. 17,90 €

Unsäglich ist ein Schlüsselwort des großen deutschen Dichters Rainer Maria Rilke, der von 1875 bis 1926 lebte. Er hat ein Werk mit intensiven Gedichten, Texten und Briefen hinterlassen, deren feinsinnige und mitunter wuchtige Sprachgestalt bis heute beeindruckt. Unsäglich bedeutet in seinem Sprachgebrauch unsagbar: das, was durch und in der Wirklichkeit wirkt, größer ist als wir, nicht zu begreifen und nicht mit der Sprache zu erfassen. So schickt sich der Dichter an, das Unsägliche mit und in seiner Sprache zu berühren, zum Klingen zu bringen und auf diese Weise den Menschen etwas von dem zu zeigen, was wirksam ist und worauf es ankommt – ohne dabei missionarisch oder belehrend zu sein.

Otto Betz, emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft und Religionspädagogik an der Hamburger Universität, hat zeit seines Lebens von Gedichten und Texten Rilkes Inspirationen empfangen. Sie sind ihm zum Wegbegleiter in guten und schwierigen Tagen geworden. In seinem neuen Buch »Weiter als die letzte Ferne« macht Betz seine Erfahrung mit Rilke für Leserinnen und Leser fruchtbar. Er erschließt Rilkes Texte als das, was sie schon für viele der Brieffreunde Rilkes waren: Brot für die Seele. Betz vertieft mit Rilke die meditative Wahrnehmung der Welt, der Kunst des Briefeschreibens, der Schöpfung, der Sinnlichkeit, der Namensgebung, der Wirklichkeit von Schönheit und Schrecken, des Humors, der Musik, der Erfahrung Gottes, der Zukunft Europas und des Abschiednehmens. Getreu den Versen Rilkes: »Glücklich, die wissen, dass hinter allen Sprachen das Unsägliche steht; dass von dort her, ins Wohlgefallen, Größe zu uns übergeht.«

Rilke war nicht nur ein genauer Beobachter der Natur, des Zwischenmenschlichen und der Sprache. Er hatte auch ein ausgeprägtes Gespür für das Transzendente im Immanenten, für das Jenseits im Diesseits. Daran kann Betz anknüpfen und durch seine einfühlsamen Deutungen Rilkes Dichtung erschließen. Es ist diese Wechselseitigkeit, die das Buch auszeichnet und lesenswert machen.

Dabei vermag Betz auch die jeweilige Lebenssituation Rilkes sowie seine eigene Entwicklung zum besseren Verständnis einzublenden, was vor allem bei »Rilkes Ringen mit Gott« eine wichtige Rolle spielt. Rilke hatte keine

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