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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Wie man ein Schulbrot macht

Mitarbeiter der Jugendhilfe treffen immer öfter auf Eltern, die selbst nicht wissen, was Familienleben bedeutet. Auch Kinder der Mittelschicht brauchen zunehmend Hilfe

Im Kinderzimmer gab es kaum Spielzeug. Neben dem Bett der vierjährigen Jennifer stand nur ein pinkfarbener Fernseher im Barbie-Design. »Die Mutter war völlig überzeugt, ihrem Kind mit der Anschaffung dieses Fernsehers etwas Gutes getan zu haben«, sagt Katja Röschmann, »ich musste ihr erst mal erklären, warum das ein Problem ist.«

Was die Sozialpädagogin vom Rauhen Haus in Hamburg bei einer Familie im armen Stadtteil Billstedt erlebte, ist symptomatisch für die Arbeit der Jugendhilfe mit problematischen Familien. Katja Röschmann und ihre Kollegen registrieren, dass Eltern immer öfter elementare Kenntnisse in Erziehungsfragen abgehen. Sie wissen nicht, wie sie mit ihren Kindern umgehen sollen, wie man den Alltag strukturiert, was Familienleben überhaupt bedeutet.

»Wir haben es mit Menschen zu tun, die selbst schon Familie nicht mehr erlebt haben«, sagt Michael Tüllmann, Leiter des Bereichs Jugendhilfe beim Rauhen Haus, »sie wissen nicht, wie man Geburtstag feiert oder warum das Kind schreit.« Für die Sozialpädagogen und Psychologen der Jugendämter und freien Träger bedeutet dies, dass sie Müttern und Vätern nicht selten einfachste Dinge vermitteln müssen: morgens rechtzeitig aufstehen, Zähne putzen, den Kindern Schulbrot machen, gemeinsam essen, abends ein Buch vorlesen.

Von einer »zunehmenden Orientierungslosigkeit« in Erziehungsfragen weiß auch Roland Fehrenbacher, der beim Caritasverband für die Kinder- und Jugendhilfe zuständig ist, zu berichten. Diese Orientierungslosigkeit beschränke sich aber nicht auf sozial schwache Familien. Auch Familien der Mittelschicht seien trotz oder sogar wegen der Flut von Erziehungsratgebe