Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2011
Die Lust am Selberdenken
Der Inhalt:

Das Brot der späten Jahre

Im Haus von Heinrich Böll finden verfolgte Schriftsteller Ruhe und Zuflucht

Alexander Solschenizyn kam direkt aus dem Gefängnis hierher: am 13. Februar 1974 hatte die Sowjetunion den Autor des »Archipel Gulag« verhaftet und ausgewiesen. Noch am selben Tag traf er in Langenbroich ein, in einem unscheinbaren Örtchen westlich von Köln, von dem es heißt, es läge in der Eifel, wo aber weit und breit keine Berge zu sehen sind. Heinrich Böll hatte hier ein Ferienhaus mit Bruchsteinmauern. Bibliothek, enge Küche, eine Veranda mit Blick auf Streuobstwiesen, eine schlichte Unterkunft mit Brot, Wein und Zigaretten. Für das Lebensnotwendige war gesorgt. Hier nahmen Heinrich und Annemarie Böll ihren Freund Alexander Solschenizyn auf. Es war die erste Station seines Exils. Ein Zufluchtsort für verfolgte Schriftsteller ist das Haus nach dem Tod von Heinrich Böll geblieben. Autorinnen und Autoren können in diesem Haus auf Einladung der Stiftung des Böll-Hauses einige Monate lang leben und arbeiten. Hier weht der Geist Heinrich Bölls, und seine Bücher – zu ihnen gehört sein berühmtestes Werk »Das Brot der frühen Jahre« – werden als Weltliteratur gelesen. Die kritische Haltung vieler deutscher Intellektueller gegenüber dem Nobelpreisträger – guter Mensch, aber mittelmäßiger Autor – teilen seine jungen Kollegen aus Russland, Tunesien, China und dem Irak nicht.

Ali Badr kennt keinen Schriftsteller, mit dem er so viel gemeinsam hat wie mit Heinrich Böll. »Er war Soldat, ich war Soldat, er war in amerikanischer Kriegsgefangenschaft, ich auch, er schrieb Romane wie ich, und er hat viele Preise bekommen – wie ich auch.« Ali Badr stammt aus dem Irak. Der Gesprächsfluss des 44-Jährigen ist schwer zu stoppen – er spricht ein Gebrauchsenglisch, in dem er ausdrücken kann, was er möchte, und wenn er auf Heinrich Böll kommt, trägt