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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2019
Die Waffen nieder!
Pazifismus in kriegerischen Zeiten. Wie sich Sicherheitspolitik neu denken lässt
Der Inhalt:

Weltkirche im Wandel

von Thomas Seiterich vom 08.11.2019
Die Amazonas-Synode bricht mit dem Zwangszölibat der Priester

Fortschritt in der ältesten Institution, der über 1,3 Milliarden Menschen zählenden katholischen Kirche? Gewiss sehr schwierig, aber es gibt ihn am Ende doch. Unter Franziskus kommt er auf Umwegen: Die vom Papst nach Rom einberufene Amazonas-Synode (Publik-Forum 20/2019, Seite 31-33) sprach sich nach drei Wochen zäher Verhandlungen dafür aus, im dünn besiedelten Amazonien bewährte Familienväter und Gemeindeleiter als »Viri probati« zu Priestern zu weihen.

Es ist ein dramatischer Perspektivwechsel. Der Abschied von der seit Jahrhunderten überkommenen Kleruskirche mit den unverheirateten Priestern wird eingeleitet, nicht im Fanfarenton, sondern mit vorsichtigen Worten. Denn aus der längst dünn und fadenscheinig gewordenen »Pastoral der Besuche«, die in sehr abgelegenen Regionen bloß im Jahrestakt erfolgt, soll künftig eine »Pastoral der Präsenz« werden: Eine starke Kirche mit verheirateten Priestern und gemischten Leitungsteams vor Ort, die selbstverständlich alle Formen der Seelsorge wahrnehmen. Eine sozialpolitisch gegen die Ausbeuter engagierte und den Indigenen gegenüber respektvolle Kirche, die es mit der lautstarken Missionskonkurrenz durch kapitalismusfreundliche Evangelikale aufnimmt.

Von 181 stimmberechtigten Synodenvätern stimmten nur 41 gegen verheiratete Priester. Gegen die Aufwertung und Diakonenweihe von Frauen stimmten gar nur dreißig. Das gilt als Zeichen, dass die vorsichtige Reformlinie des Papstes zur Überwindung des Zwangszölibates eine Mehrheit der Bischöfe vereint. Dass die dreißig Synodenexpertinnen – Indigenas und Ordensfrauen aus Südamerika – noch nicht abstimmen durften, zeigt die Beharrungsmacht des römischen Systems im Übergang. Bischof Franz-Josef Overbeck aus Essen fand dafür das treffende Wort. Der für das Lateinamerika-Werk Adveniat Zuständige fragte öffentlich, ob das Y-Chromosom tatsächlich ausschlaggebend für Wahlrecht und Priesterweihe sein kann.

Die Amazonas-Synode hat eine große, weit reichende Entscheidung getroffen. Sie liegt nun als Vorlage auf dem Tisch von Franziskus. Er versprach, sein »Nachsynodales Schreiben«, die autoritative Zusammenfassung, bis Silvester zu liefern.

Papst Franziskus brachte, als er 2013 gewählt wurde, eine kraftvolle Neuheit in das erstarrte Papstamt ein. Sein Grundsatz lautet: »Die Wirklichkeit ist wichtiger als die

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