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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Vorgespräch: Kann denn Babel schön sein?

von Eva-Maria Lerch vom 09.11.2018
Fragen an Susanne Meierhenrich, die Sprecherin des Literaturfests München

Publik-Forum: Frau Meierhenrich, wie feiert man drei Wochen lang die Literatur?

Susanne Meierhenrich: Indem man sie in ihrer ganzen Vielfalt ausstellt und sinnlich zugänglich macht. Beim Literaturfest München reicht das von klassischen Formaten wie Dichterlesungen und Symposien über Buch- und Comicausstellungen, literarische Filmabende und Konzerte bis hin zur Festivalbar, wo man unter dem Motto »Schönes Babel in der Schnapsbar« mit den Künstlern Gespräche führen kann.

»Schönes Babel. Europäische Lektüren« heißt das diesjährige Motto des Festes. Kann denn Babel schön sein? Ist das Sprachen-Tohuwabohu nicht eher trennend?

Meierhenrich: Nur wenn man darauf besteht, alles bis ins Detail verstehen zu wollen. Wer aber den Mut hat, sich überraschen und auch mal verwirren zu lassen, kann sich von der Schönheit der Sprachen faszinieren lassen. Wer nur zulässt, was er kennt und versteht, verfällt der Gefahr von Machtorientierung und Separatismus. Wer anderen Sprachen, Menschen und Nationen mit Offenheit begegnet, Neues an sich heranlässt, erlebt eine andere Qualität des Verstehens. Gerade jetzt, wo Europa zerbrechlich scheint, möchte der Lyriker und Kurator Jan Wagner diese sprachliche und literarische Vielfalt als Stärke feiern.

Wie setzen Sie das Motto um?

Meierhenrich: Über achtzig Autoren aus Deutschland, Irland, Großbritannien, Polen, Schweden, Spanien oder der Ukraine kommen hier zusammen – und diskutieren über ihre Werke und auch politische Fragen. Ein Symposion mit Autoren aus England, Schottland und Irland etwa widmet sich dem Brexit. Auf dem Programm stehen Abende mit Schriftstellern wie Maxim Biller, Dörte Hansen, Martin Walser oder Jo Nesbø, aber auch junge, weniger bekannte Autoren sind dabei. Zum ersten Mal sind auch kleine Sprachen vertreten: irisch-gälische, sorbische oder ladinische Literatur. Eine wichtige Rolle spielen die Übersetzerinnen und Übersetzer: »Wie setze ich über?«, heißt einer der Schwerpunkte.

Wie und wo kann man das alles erleben?

Meierhenrich: Die Veranstaltungen finden meist im Literaturhaus München und im Kulturzentrum Gasteig statt, aber auch im Volkstheater oder in Clubs. Parallel läuft im Gasteig die große Mün

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