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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2018
Der Mord und der Westen
Der Fall Saudi-Arabien: Handel, Macht und Menschenrechte
Der Inhalt:

Die bunte Welt hinter den Buchstaben

von Alexander Schwabe vom 09.11.2018
Die Demokratie ist bedroht. Wie sich Leserinnen und Leser gegen fundamentalistisches Denken wappnen können. Ein Essay

Gotteskrieger, Glaubensfanatiker, Eiferer: Ob hinduistische, muslimische, christliche oder jüdische Extremisten, alle meinen sie, für eine gerechte Sache, die richtige Seite, die eine Wahrheit zu streiten. Heilig, wofür sie in den Kampf ziehen. Und natürlich: Der andere, der den falschen Glauben oder gar keinen hat, ist zu bekämpfen, wenn nötig bis aufs Blut.

Das Gleiche gibt es auch in der Politik, auf allen Seiten. Jene, die einfache Wahrheiten gegen noch so durchschlagende Argumente verteidigen; jene, die immer und überall Verschwörungen beschwören, um sich der komplexen Wirklichkeit nicht stellen zu müssen. Jene, die an eine bestimmte Ideologie glauben und nichts neben ihr stehen lassen. Es mag gravierende Unterschiede in den Methoden geben und im Ausmaß der Militanz – doch alle diese ideologisch motivierten Kräfte verbindet etwas: das fundamentalistische Denken.

Und: Religiöse wie säkulare Fundamentalisten vereint der Kampf gegen denselben Feind: die offene, liberale Gesellschaft.

Dabei ist ein Fundament zunächst etwas Positives. Ein Haus braucht ein gutes Fundament, einen Unterbau. Ein Mensch, dessen Fundamente unerschütterlich sind, steht stabil im Leben. Sein Denken und Handeln ist fundiert. Wer dagegen in seinen Fundamenten erschüttert ist, weiß nicht mehr, wo oben und wo unten ist. Diese Menschen sind orientierungslos und verunsichert – und auf der Suche nach Halt möglicherweise anfällig für Fundamentalismus.

Dann verkehrt sich das Fundamentale ins Gegenteil. Fundamentalismus ist die ideologische Hilfskrücke, die ersetzen soll, was ein tragfähiges Fundament einem Menschen bieten sollte. Ein Fundamentalist ist einer, der entweder nie ein eigenes Fundament hatte oder es verloren hat, und nun – von allen guten Geistern verlassen – verzweifelt nach etwas sucht, an das er sich klammern kann, das ihm einen vermeintlich sicheren Weg bahnt durch das Dickicht einer komplexen Wirklichkeit.

Ein solides, tragfähiges Fundament ermöglicht es Menschen dagegen, sich mit der Umwelt in vielfältiger Weise auszutauschen, gemäß ihren Erfahrungen. Ein Fundament bietet ihnen die Basis für geistige Flexibilität. Der Fundamentalismus dagegen verursacht Starre. Er dominiert, diktiert und verhaftet das Leben auf eine Idee, die absolut gesetzt und nicht hinterfragt wird. Feinjustierungen zwischen dem, was wir tagtäglich erfahren, u

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