Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2017
Reformationsjubiläum: Was bleibt?
Ein Streitgespräch zwischen Thies Gundlach, Margot Käßmann und Dorothea Wendebourg
Der Inhalt:

Nachgefragt: Was bringt eine CO 2 - Steuer?

von Michael Schrom vom 10.11.2017
Fragen an den Klimaökonomen Ottmar Edenhofer

Publik-Forum: Herr Professor Edenhofer, Sie fordern eine Abgabe auf Kohlendioxid. Was wollen Sie damit erreichen?

Ottmar Edenhofer: Ein Preis auf Kohlendioxid macht CO2-arme Technologien wettbewerbsfähig. Fossile Energieträger werden unrentabler, besonders die Kohle. Außerdem gewinnt man Einnahmen, um die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen zu finanzieren. So könnte in Entwicklungsländern etwa die Wasser- oder Stromversorgung ausgebaut werden.

Trifft eine solche Abgabe nicht ärmere Konsumenten hart, während die Reichen weiter SUV fahren und fliegen können?

Edenhofer: Das ist ein unbestreitbares Argument. Man muss aber zwischen OECD-Ländern und ärmeren Ländern unterscheiden. In wirklich armen Ländern hat ein CO2-Preis einen positiven Effekt für die unteren Bevölkerungsschichten, weil deren Konsum meist nicht CO2-intensiv ist. In OECD-Ländern werden ärmere Haushalte in der Tat überproportional belastet, da sie relativ gesehen einen höheren Anteil ihres Einkommens für Energie oder Transport aufwenden müssen. Aber man kann dies ausgleichen, indem man die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung rückverteilt. So könnte jeder Bürger am Ende des Jahres einen festen Betrag ausgezahlt bekommen – wie beispielsweise im kanadischen British Columbia – oder es könnte die Einkommensteuer entsprechend angepasst werden.

Fördert die Abgabe nicht indirekt die Atomkraft, weil hier kein CO2 ausgestoßen wird?

Edenhofer: Auch das ist nicht zu bestreiten. Ein CO2-Preis fördert die Atomenergie. Wir können als Europäer China und Indien auch nicht verbieten, dass sie die Kernkraft ausbauen. Wenn ein Land aus der Kernkraft aussteigen will, braucht es den politischen Willen und einen entsprechenden Beschluss. Man kann mit einem CO2-Preis nicht alle Probleme zugleich lösen. Ein CO2-Preis wird dennoch nicht zu einer Renaissance der Kernkraft führen, da der Bau von Leichtwasserreaktoren in den letzten Jahren immer teurer geworden ist.

Was nützt es, wenn ein Land vorangeht?

Edenhofer: 81 Staaten haben angekündigt, eine CO2-Bepreisung in ihre Selbstverpflichtungen aufzunehmen. In Europa brauchen wir nicht auf alle Mitgliedsstaaten zu warten, um den europäischen Emissionshande

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen