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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Vorgespräch: Warum schweigen Männer?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 04.11.2016
Fragen an Dasa Szekely, systemische Beraterin und Autorin, zum internationalen Männertag

Publik-Forum: Frau Szekely, Ihr neues Buch heißt »Das Schweigen der Männer«. Warum ist es ein Problem, wenn Männer nicht viel reden?

Dasa Szekely: Ich bin überzeugt: Männer stecken in einer Krise. Das alte Rollenbild ist überholt, ein neues gibt es noch nicht. Sie hängen irgendwo dazwischen. Das überfordert viele. Statt sich der Krise zu stellen, machen viele Männer aber weiter wie bisher: Sie verdrängen, weichen Problemen aus, nehmen Verantwortung nicht wahr. Das ist ein unreifes Verhalten. Und das Schweigen ist ein Symptom dafür. Mich interessiert dabei weniger der Blick ins private Wohnzimmer, als vielmehr die Auswirkungen, die dieses Verhalten auf die Gesellschaft hat. Von solchen Männern werden wir schließlich regiert, sie sitzen überall in wichtigen Positionen.

Am 19. November ist internationaler Männertag. Wozu brauchen wir den?

Szekely: Um auf diese Überforderung aufmerksam zu machen. Bei Gender-Debatten geht es eigentlich immer nur um Frauen. Wir haben ein Ministerium für Frauen, Senioren und Jugend – aber keins für Männer. Wieso eigentlich nicht? Männer verlieren gerade still und leise, auch weil Frauen immer mächtiger werden. Monetär sind sie zwar noch auf der Gewinnerseite, aber seelisch nicht. Da müssen wir hinschauen.

Was raten Sie Männern?

Szekely: Grenzt euch ab. Verbringt mehr Zeit mit anderen Männern. Geht angeln, fahrt mal weg. Und lernt, offen miteinander zu reden. Es ist kein Zeichen von Schwäche, auch mal zu sagen: »Ich bin mit meinem Latein am Ende.«

Und was raten Sie Frauen im Umgang mit Männern?

Szekely: Viele meiner Klientinnen finden es normal zu akzeptieren, dass ihr Mann sich nicht traut, mit seinem Chef über verkürzte Arbeitszeiten zu reden. Da sage ich: Hört auf, den Männern alles abzunehmen, ihnen ständig den Rücken freizuhalten und euch alles selbst aufzubürden.

Ihr Urteil über Männer: »Sie sind ängstlich, unreif und ignorant.« Wären Sie ein Mann und würden so über Frauen sprechen, würde Ihnen Überheblichkeit und Sexismus vorgeworfen. Verallgemeinern Sie nicht zu sehr?

Szekely: Natürlich sind nie alle so. Aber es ist eine starke Tendenz. Bitte verstehen Sie mich nicht

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