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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Gott ist mehr als ein Weltethos

von Albert Biesinger vom 04.11.2016
Warum der konfessionell verantwortete Religionsunterricht ein Modell mit Zukunft ist. Eine Erwiderung auf Norbert Scholl

In Publik-Forum 19/2016 forderte der Religionspädagoge Norbert Scholl die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts zugunsten eines neuen Pflichtfachs. Ihm widerspricht Albert Biesinger. In der nächsten Ausgabe dokumentieren wir die rege Diskussion unter unseren Leserinnen und Lesern.

Wie ich mir das Leben nach dem Tod vorstelle?« Diese Frage einer Auszubildenden für den Friseurberuf in der ersten Religionsstunde nach Ostern eröffnet eine lebhafte Diskussion in meiner Klasse an der Gewerbeschule in Tübingen. Plötzlich beginnt eine Jugendliche zu weinen. Sie fragt mich: »Wissen Sie, wo jetzt mein Papa ist? Er ist vor vier Wochen überraschend gestorben.« Ich setze mich zu ihr in ihre Kleingruppe. »Als Christ gehe ich davon aus, dass Ihr Vater mehr ist als sein Körper«, sage ich, »und dass er jetzt bei Gott ist. Er lebt jetzt anders, er hat nur seinen toten Körper verlassen. Sie können weiter mit ihm sprechen.« Die Schülerin entgegnet: »Glauben Sie wirklich, dass Gott die Menschen auferweckt?« Ich antworte ihr: »Es kommt darauf an, wie man dies versteht. Ich glaube nicht, dass ich am Jüngsten Tage wieder aus dem Grabe herauskomme, sondern, dass ich gleich bei meinem Tod Gott begegne. Gott hat uns etwas von sich selbst mitgegeben, als er uns erschaffen hat. Dieses Göttliche in uns ist unsterblich.«

Was hätte es dieser Schülerin geholfen, wenn ich ihr religionskundlich gesagt hätte: Die Buddhisten sehen dies so, die Muslime sehen es so, die Christen sehen es wieder anders. Im Religionsunterricht ist man als Lehrer auch angefragt, kompetent Zeugnis zu geben. Das passiert sogar häufiger, als manche ahnen.

Ich plädiere daher für eine vertiefte evangelisch-katholische Zusammenarbeit im Religionsunterricht, so wie sie schon mancherorts verwirklicht ist. Aber ich bin gegen die Abschaffung des konfessionell verantworteten Religionsunterrichts. Wir haben kein Recht, Schülerinnen und Schüler um ihre Gottessuche und Gotteszweifel zu betrügen. Den konfessionell verantworteten, aber kooperativ entwickelten und strukturierten Religionsunterricht im Blick auf seine Gottesverheißungen zu Religionskunde, Ethik- und Werteunterricht zu »entkernen«, ist bildungstheoretisch angesichts der anstehenden interreligiösen Herausforderungen in unserer Gesellschaft geradezu eine Sackgasse. Luxemburg ist für mich da ebenso wenig ein Vorbild wie Frankreic

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