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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2016
Gefährlicher Egoismus
Warum sich die Deutschen mit Gerechtigkeit so schwertun
Der Inhalt:

Runter vom Balkon!

von Luiz Carlos Susin vom 04.11.2016
Was Papst Franziskus wichtig ist: Eine Theologie der Zukunft

In einem Brief an den Rektor der Katholischen Universität Argentiniens hat Papst Franziskus erneut gefordert, dass die Theologie und die kirchliche Hierarchie aufhören müssen, die Welt vom Balkon aus zu beobachten. Sie sollen auf die Straße gehen, um in Barmherzigkeit demjenigen Hoffnung zu schenken, der auf der Straße ist. Die Worte des Papstes klingen in der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung nicht neu. Aber Franziskus bewirkt eine stärkere Wahrnehmung: Es geht darum, sich in jenen Teil der Welt zu begeben, den die Weltkarte immer »unten« verortet hat, auch wenn man weiß, dass es im Universum kein »Oben« und »Unten« gibt. Dieser »Süden« kann auch auf den Straßen Bostons gefunden werden. Für die Theologie bedeutet das: Dialog mit den zeitgenössischen Kulturen einer immer komplexeren Welt. Dabei ist es ratsam, dem Prinzip zu folgen, dass »das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile«. Sechs Stichworte:

Eine christliche Ökotheologie. Das Leben auf unserem Planeten ist an dem Punkt angelangt, wo es von unserer ökologischen Ethik, von Liebe oder Feindseligkeit gegenüber dem Leben abhängig ist. Die Enzyklika »Laudato Si« vertritt mit Nachdruck eine integrale Ökologie. Der evangelische Theologe Jürgen Moltmann weist darauf hin, dass eine harmonische Ökologie der Erde nur dann möglich ist, wenn sie sich ohne jede Bewusstseinsspaltung mit einer Theologie des Himmels – und umgekehrt – vereint. Es geht um eine Theologie, die Erde und Himmel, Welt und Transzendenz in sich vereint.

Die eine Menschheitsfamilie. Die Menschheitsfamilie ist ein Prüfstein für jede christliche Theologie. Seit der Globalisierung sprechen die Kirchen von der Menschheit als einer großen Familie. Doch eine christliche Anthropologie kann noch mehr leisten. Der Soziologe Boaventura de Sousa Santos sagt: »Es gibt ein Recht auf den Kampf um Gleichheit, wenn der Unterschied erniedrigt und ausgrenzt, und ein Recht auf Kampf um den Unterschied, wenn die Gleichheit entstellt.« Die christliche Anthropologie muss beide Prinzipien anwenden. Die »eine Menschheitsfamilie« mit allen Konsequenzen, die daraus folgen, ist keine empirische Gegebenheit, sondern eine neue Etappe des Humanismus – gerade in Zeiten, in denen Mauern erri

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