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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Taugt Abraham als Vorbild?

Auf Abraham berufen sich alle monotheistischen Religionen. Doch die Geschichte von der Opferung seines Sohnes erscheint wie eine zynische Rechtfertigung des Gehorsams. Oder wie kann man diese dramatische Erzählung auch verstehen?

Es geht um ein Opfer. Was geopfert wird, ist im »Widderraum« der Sonderausstellung »Gehorsam« zu sehen, die noch bis zum 15. November im Jüdischen Museum in Berlin gezeigt wird. Als wandfüllende Projektion kommt ein großer Widder dem Besucher entgegen. Ein schönes, anmutiges Tier. In kurzen Gegenschnitten ist das Schächtmesser eingeblendet, dann eine Wanne voller Blut. Schon der Blick auf das Tier weckt Mitleid. Doch die ebenfalls raumfüllenden Bilder, die im nächsten Raum an die Wand projiziert werden, lassen erschaudern. Denn hier stellt sich das vorgesehene Opfer vor: »Ich bin Isaak« oder »Ich bin Ismael« sagen junge Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, die in verschiedenen Sprachen sprechen.

»Gehorsam« haben der Filmemacher Peter Greenaway und die Multimedia-Künstlerin Saskia Boddeke ihre Installation betitelt. Sie haben mit künstlerischen Mitteln die Geschichte umgesetzt, die zu den hei ligen Texten der drei großen monotheistischen Weltreligionen gehört: Wie Gott Abraham befiehlt, seinen Sohn als Schlachtopfer darzubringen, und Abraham frag- und klaglos gehorcht. Diese Erzählung hat Generationen von Gläubigen beunruhigt und erschreckt. Navid Kermani schreibt in seinem Buch »Ungläubiges Staunen« dazu: »Nicht eigentlich der göttliche Befehl schockierte mich. (…) Wenn etwas mich – nein, nicht bloß befremdete –, mich von der Religion entfremdete, dann war es die Tilgung jedweder eigenen Regung, die zwischen dem zweiten und dritten Vers im zweiundzwanzigsten Kapitel des ersten Buches Mose geschieht. Ja: Gott befiehlt, der Mensch gehorcht.«

Der evangelische Theologe Dietrich Neuhaus empfindet das ähnlich, wenn er – bei einem interreligiösen Symposium zur Ausstellung – forder