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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

Mitmenschlichkeit, recht spät

Die Kirchen in Sachsen rufen zu einer Kerzenaktion auf. Warum erst jetzt?

Die sächsische Landeskirche hat nun gemeinsam mit der katholischen im Freistaat ein kleines Lichtchen angeknipst: für Menschlichkeit, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Und weiter: »Mit einer Kerze im Fenster an jedem Sonntagabend sowie mit Postkarten und Aufklebern können Menschen sich an der Aktion beteiligen und zeigen, dass sie sich über politische Meinungsverschiedenheiten hinweg für einen gewaltlosen und fairen Umgang miteinander einsetzen. Diese Menschlichkeit gilt allen, insbesondere den Geflüchteten.« Kurz davor hatten Leipziger Pfarrer an die sächsische Landeskirche und ihren Bischof appelliert, sich angesichts der Übergriffe auf Flüchtlinge und ein Jahr Pegida endlich, endlich öffentlich zu positionieren.

Es ist müßig zu fragen, ob diese Aufforderung den Ausschlag für die Aktion gab. Fest steht: Das sächsische Licht kommt spät, das Kind ist bereits in den Brunnen gefallen. Der Grund ist kein Zufall. Es ist ein Kirchenverständnis, doch beim »Eigentlichen« zu bleiben, sich ja nicht außerhalb der Kirchenmauern einzumischen.

Dass das gar nicht geht, haben all die Gemeinden bewiesen, die vor Ort Fremde beschützt, Stellung bezogen und auch zur rechten Zeit Glocken geläutet haben. Oder zu Friedensgebeten einluden. Und schließlich muss die Frage erlaubt sein, was heute wäre, wenn die evangelischen Kirchen in der DDR auch 1989 und davor beim »Eigentlichen« geblieben wären. Dann säßen wir wohl alle noch hinter der Mauer, an deren Fall wir in diesen Tagen erinnern.

Ein Transparent mit einem Matthäus-Spruch ist dieser Tage an der Friedenskirche in Radebeul bei Dresden für viele sichtbar: »Christus spricht: Ich bin ein Fremder gewesen und