»Macht Wirbel! «
Seit dem Ersten Vatikanischen Konzil im späten 19. Jahrhundert galt in der katholischen Kirche das Prinzip: Auf jede Frage hat der Papst eine Antwort, diese ist verbindlich und wird in den katholischen Gemeinden befolgt, egal wo auf dem Globus. Es war eine Kirche von Befehl und Gehorsam. Gesetze und Anordnungen wurden schematisch angewendet. Doch nun scheint es durch Papst Franziskus zu einer Kulturrevolution zu kommen. Die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie markiert einen historischen Wendepunkt. Es ist ein knapper Arbeitssieg der Reformer. Denn von jetzt an soll auf den Einzelfall geschaut werden, wann immer es in einer Beziehung, Ehe oder Familie hakt. Es gilt das Prinzip des Respekts vor dem Einzelnen und seiner Not. Aus dem blinden Befolgen wird – falls der Sprung vorwärts in die neue Kirchenkultur gelingt – das Gespräch zwischen dem Gläubigen mit seinem Pfarrer oder seiner Pastoralreferentin werden, ein Austausch auf Augenhöhe. Und am Ende schließlich hat jede Christin und jeder Christ dem eigenen Gewissen zu folgen. Franziskus bringt es auf den Punkt: Einzelfall statt Schematismus, Liebe und Barmherzigkeit statt Gesetzesgehorsam, Annahme statt Ausgrenzung. Und ebenso bringt der Papst den Zukunftskurs der katholischen Kirche auf den Punkt: »Synodalität! So will Gott die Kirche im dritten Jahrtausend.« Breite, ausgiebige und unzensierte Debatte – und am Schluss entscheidet dann der Papst.
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