Zur mobilen Webseite zurückkehren
Schriftgröße ändern:

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2015
»Macht Wirbel!«
Wie der Papst die Kirche aufmischt
Der Inhalt:

»Macht Wirbel! «

Mit Mühe setzt Papst Franziskus auf der Familiensynode seinen Kurs der Barmherzigkeit durch. Wenn der erfolgreich ist, bedeutet dies für die katholische Kirche eine Kulturrevolution: Künftig zähltder einzelne Christ und nicht die starre Norm. Doch die Gegner der Öffnung bleiben mächtig

Seit dem Ersten Vatikanischen Konzil im späten 19. Jahrhundert galt in der katholischen Kirche das Prinzip: Auf jede Frage hat der Papst eine Antwort, diese ist verbindlich und wird in den katholischen Gemeinden befolgt, egal wo auf dem Globus. Es war eine Kirche von Befehl und Gehorsam. Gesetze und Anordnungen wurden schematisch angewendet. Doch nun scheint es durch Papst Franziskus zu einer Kulturrevolution zu kommen. Die Weltbischofssynode zu Ehe und Familie markiert einen historischen Wendepunkt. Es ist ein knapper Arbeitssieg der Reformer. Denn von jetzt an soll auf den Einzelfall geschaut werden, wann immer es in einer Beziehung, Ehe oder Familie hakt. Es gilt das Prinzip des Respekts vor dem Einzelnen und seiner Not. Aus dem blinden Befolgen wird – falls der Sprung vorwärts in die neue Kirchenkultur gelingt – das Gespräch zwischen dem Gläubigen mit seinem Pfarrer oder seiner Pastoralreferentin werden, ein Austausch auf Augenhöhe. Und am Ende schließlich hat jede Christin und jeder Christ dem eigenen Gewissen zu folgen. Franziskus bringt es auf den Punkt: Einzelfall statt Schematismus, Liebe und Barmherzigkeit statt Gesetzesgehorsam, Annahme statt Ausgrenzung. Und ebenso bringt der Papst den Zukunftskurs der katholischen Kirche auf den Punkt: »Synodalität! So will Gott die Kirche im dritten Jahrtausend.« Breite, ausgiebige und unzensierte Debatte – und am Schluss entscheidet dann der Papst.

Die deutschsprachigen Synodenteilnehmer trugen entscheidend zu dem Durchbruch bei. Der hochkarätig besetzte Circulus Germanicus hat intensiver und instruktiver theologisch gearbeitet als viele der übrigen zwölf Sprachkreise der Synode. Die meisten produzierten am Ende bloß Wunsch