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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Das Leib-und-Seele-Gespräch: »Ich habe im Ge f ängnishof gesungen«

Er wurde bei einem Workshop verhaftet und saß hundert Tage in türkischer Haft. Die Berliner Gethsemane-Gemeinde versammelte sich jeden Abend, um für ihn zu beten. Ein Gespräch mit Peter Steudtner, ein Jahr nach seiner Freilassung

Publik-Forum: Herr Steudtner, Sie sind bei einem Workshop in der Türkei verhaftet und mehr als hundert Tage in einem türkischen Gefängnis gefangen gehalten worden. Vor einem Jahr wurden Sie ebenso überraschend aus der Haft entlassen. Wie haben Sie die Verhaftung erlebt?

Peter Steudtner: Im ersten Moment als Aha-Effekt: So fühlt sich das also an! Das Risiko, verhaftet zu werden, gehört ja zu unserer Arbeit als Menschenrechtsaktivisten dazu. Dann bald die Überlegung: Was habe ich von anderen Aktivisten für diese Situation gelernt? Was habe ich für ein Repertoire, um nicht in Panik zu verfallen? Ich hab natürlich auch auf die anderen geschaut und mich gefragt, was die gerade brauchen. Denn ich wurde ja nicht allein verhaftet, sondern gemeinsam mit neun türkischen und schwedischen Menschenrechtsaktivisten.

Hatten Sie Angst?

Steudtner: Das ist ein Ausnahmezustand. Aber ehrlich, ich habe schon größere Schocks erlebt, vor allem als Fotojournalist in Krisengebieten. Insofern möchte ich das nicht zu hoch bewerten. Trotzdem war das so ein Moment, wo man sich wünscht: Jetzt möchte ich eigentlich nicht da sein. Am schlimmsten war im Gefängnis die Ungewissheit, wie lange das alles dauert.

Was hat Ihnen in dieser Situation geholfen?

Steudtner: Das Verbundensein in Gemeinschaft. In diesem Megastress, als die Polizei bei der Verhaftung um uns herumschwirrte, da haben wir zusammen kleine Entspannungsübungen aus unserem Workshop gemacht. Weil die Polizei kein Englisch oder Deutsch konnte, unterstützten mich die türkischen Kolleginnen und Kollegen. Und natürlich die