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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2017
Neuer Mut in schweren Zeiten
Jüdische Gemeinden in Deutschland
Der Inhalt:

Würde muss man fühlen

Laut Verfassung ist sie unantastbar. Aber wie können Menschen ihre Würde wirklich erfahren? Antworten von einem Kongress im Odenwald

Was ist denn eigentlich Würde«?, fragte Alexandra Mesensky ihre Freunde, Nachbarn und Verwandten: »Was macht die Würde des Menschen für dich aus?« Die Wienerin forschte für eine wissenschaftliche Arbeit, sie fragte Menschen in Einkaufszentren, Wirtshäusern und an Bushaltestellen. »Die meisten konnten nicht wirklich erklären, was Würde ist«, erzählt sie heute: »Aber viele beschrieben es, indem sie mir sagten, was die Abwesenheit von Würde bedeutet. Oft nannten sie Beispiele für würdeloses Dasein und unwürdige Behandlung – beispielsweise in Krankenhäusern und Pflegeheimen, in Elendsvierteln, bei Obdachlosigkeit oder in Gefangenschaft.« Dennoch sei die Würde eines Menschen nicht unbedingt von äußeren Bedingungen abhängig, meint Mesensky. »Viktor Frankl, der Erfinder der Logotherapie, hat sogar im KZ noch Würde empfunden.« Auch nach intensiven Studien kann Mesensky, die inzwischen als Psychotherapeutin arbeitet, nicht abschließend definieren, was menschliche Würde eigentlich ist. »Aber es hat etwas mit Haltung zu tun, mit dem innersten Kern eines Menschen«, sagt sie: »Wo ein Mensch keine Würde hat, ist das Humane in Gefahr – das, was den Menschen eigentlich ausmacht.«

Die Wiener Therapeutin gehört zu den Referentinnen und Referenten des Symposions »Würde & Mitgefühl«, das Ende September in der Systelios-Klinik im Odenwald stattfand. Obwohl die Tagung sich in erster Linie an Psychotherapeuten richtet, haben der Leiter der Klinik, Gunther Schmidt, und die bekannte Traumatherapeutin Luise Reddemann das Programm bewusst so gestaltet, dass es über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinausgreift. Die Würde des Menschen wird dabei im Kontext von »Psychotherapie, Beratung, Organisation und Gesellschaft« t